Freitag, 29. Juli 2011

Flug überstanden!

Der heutige Eintrag muss ausnahmsweise ohne Bilder auskommen – hatte den ganzen Tag nicht viel Zeit und jetzt regnets und wird dunkel.

Ein laaaaaaanger Tag! Vorweg mal ein riesiges Dankeschön an meine Schwester, die mich heute in allerherrgottsfrühe zum Flughafen in München gebracht hat (Abfahrt um 4:40). Und mein Schatz ist auch extra zum Flughafen gekommen, damit wir uns noch einmal verabschieden können J Daran werde ich lange zehren, wenn ich zwischendurch ein Motivatinsloch haben sollte.

Weniger begestert war ich von der Informationspolitik von Lufthansa. Sowohl bei der telefonischen Auskunft von LH als auch vom Flughafen München bekam ich die Auskunft, dass ich mein Fahrrad für den Transport nicht einzupacken brauche. Am Flughafen selbst haben sie dann groß geschaut: „Ja schicken können Sie’s schon so, aber auf eigene Verantwortung! WIR können da nicht garantieren, dass da nicht ein Koffer drauffällt…“. Ganz tolle Organisation. Hab geich mal einen Beschwerdebrief ausgefüllt und gebangt, dass meiner armen Rosinante nichts passiert.Wofür zahl ich eigentlich das Geld für den Transport? Damit das Objekt, das ich in New York abhole, auch mein Fahrrad ist und kein Schrotthaufen. Und natürlich HAT das Rad auch Schaden genommen. Nichts Gravierendes, die Schaltung und die Räder sind ok, aber der vordere Kotflügel ist angeknackst und hängt nur mehr an einer Schraube. Das kann ich wahrscheinlich etwas improvisiert reparieren. Blöder ist das Griffband, das eingerissen ist, weil irgendwas in den Lenker geschnitten hat. Das müsste ich theoretisch komplett austauschen. Ist aber ein hochwertiges, das kostet.  

Wie auch immer. In New York dann meinen Mietwagen geschnappt, 50km aus der Stadt rausgestaut und mich jetzt nach weiteren 50km in einem sehr netten Motel direkt an der Küste einquartiert. Und jetzt ab ins Bett, ich bin bald seit 24 Stunden auf den Beinen. Morgen geht’s nach Quebec City.

Montag, 25. Juli 2011

A&O der Streckenplanung

Frage an die Leser: Kommt "A&O" vielleicht aus dem Griechischen? Alpha und Omega sind ja der erste und letzte Buchstabe, das würde den Sinn "Vom Anfang bis zum Schluss" treffen (ist mir gerade in diesem Moment aufgefallen)...

Kommen wir zum Radfahren: Ist gut geplant auch schon halb gefahren?

Schön wär‘s! Weil im Endeffekt wird sowieso alles anders kommen als geplant. Blumig formuliert: „Ich denke, dass es anders kommt, als ich denke.“ (Denksportaufgabe für Mathematiker: Beweisen Sie, dass der letzte Satz wahr ist.)

53 Tage Zeit. Ein Tag Pause in Chicago, ein Tag Arches National Park und ein Tag in Las Vegas. Bleiben 50. 10% Puffer für Schlechtwetter. Bleiben effektiv 45 Tage.

Wer mich kennt, weiß, dass ich jede Einzelne dieser 45 Etappen bereits durchgeplant habe: Start, Ziel, alle Abzweigungen dazwischen. Wie geht man so was an? Erster Schritt ist google maps. Nehmen wir die Strecke von New York City zu den Niagarafällen. Blauäugig könnte man jetzt einfach Start und Ziel eingeben, als Verkehrsmittel „Radfahrer“ wählen und das Ergebnis akzeptieren. Folgendes wäre etwa die Route, die herauskommt (hab hier Auto als Verkehrsmittel wählen müssen, da sich Fahrradkarten offenbar nicht im Blog einbauen lassen, sorry!):


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Hier der Link zum "echten" Ergebnis für Radfahrer.

Ist natürlich unsinnig, weil viel zu weit. 813km, und im Endeffekt hab ich idealerweise 5 Tage Zeit. Das geht sich nie aus (entspräche einem Tagesschnitt von 163km, und das mit Gepäck im Sommer durch die Appalachen). Als zweiten Schritt versucht man, die Streckenlänge zu optimieren. Verwendet man wieder ausschließlich google maps, bekommen wir jetzt:


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658km, das sieht doch gleich ganz anders aus (Tagesschnitt 132km, das könnte machbar sein). Ab Ithaca (Punkt C) ist die Sache ziemlich eindeutig. Über die George Washington Bridge  (Punkt B) muss ich auch, weil es die einzige Brücke weit und breit ist, die einen Fahrradstreifen hat. Bleibt der Weg von dort bis Ithaca. Und jetzt kommt das Gelände ins Spiel, denn der gezeigte Weg ist zwar vielleicht der kürzeste, aber nicht unbedingt der schnellste.

Aus dem Grund hab ich auf ein zweites Tool zurückgegriffen, nämlich den „Bike Route Toaster“ (http://www.bikeroutetoaster.com/) – eine Streckenplanung inklusive Höhenmeter und Höhenprofil (leider sind keine Radwege drin…). Die Strecke B-C (zweieinhalb Tage Zeit) käme hier auf folgende Eckdaten:

336,19km
3417 Höhenmeter!
Das ist natürlich saftig.

Hier der Link zur Strecke im Bike Route Toaster.

Einfach auf die Registerkarte „Zusammenfassung“ klicken, dann erhält man das Höhenprofil.
Nach einigem hin und her habe ich mich mit mir auf diese geänderte Variante zwischen der Brücke und Ithaca geeinigt:

Riesig ist der Unterschied nicht, aber er ist da. Ausserdem ist die Versorgung auf der Strecke besser, und ich fahre eine zeitlang den Delaware River entlang, der recht schön sein soll :-) 
Die Strecke wird dann an den Zwischenstationen noch leicht abgeändert (Motels…) und fertig ist die Planung! Schon gespannt, was ich alles schon am ersten Tag über den Haufen werfen muss.


Countdown: noch 13 Tage bis zur ersten echten Etappe.
In 4 Tagen geht der Flug.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Mein Fahrrad

Heute möchte ich mein Fahrrad vorstellen. Voila, das ist Rosinante:



Rosinante ist ein Randonneur, genauer gesagt ein Stevens Gran Turismo. Ausgelegt ist das Rad auf schnelle Touren mit relativ wenig Gepäck – da ich nicht vorhabe zu zelten, geht sich das genau aus. Das Rad ist jetzt gut 1,5 Jahre alt und hat etwa 5000km drauf. Letztes Wochenende hab ich die Bremsen getauscht, sonst war bisher nie eine Reparatur oder Nachjustierung notwendig. Insgesamt ist das Rad eher wie ein Rennrad übersetzt, das könnte mit dem ganzen Gepäck bei der einen oder anderen Steigung in den Appalachen vielleicht ein Problem sein. Muss ich halt im Extremfall kurz schieben. Die Rockies sind von den Steigungen her ja zahm.

Ein paar Ergänzungen hab ich zum Orginal vorgenommen:

Pannensichere Reifen: Schwalbe Marathon plus. Praktisch unkaputtbar, dafür auch etwas schwer.

Taschen: Ortlieb Bike Packer plus Hinterradtaschen und ein Travel-Biker Köfferchen. Die Marke scheint in der Branche eine Referenz zu sein und verspricht, dass ihre Taschen sehr robust und absolut wasserdicht sind. Ich nehm auch noch eine Lenkertasche mit, die allerdings auch am Gepäcksträger landet, weil durch Kamera+Navi vorne kein Platz zur Montage mehr übrig bleibt.

Flaschenhalter: Marke billig. Da bringts nix, 3 Gramm einzusparen.

Pumpe: Die kleinste mit Fußständer und Manometer, die ich gefunden habe.

Maskottchen: „Tom Cat“, ein Plüschkater. Vor Kurzem erstanden im Tierpark Abensberg in Bayern. Ist der Glücksbringer von meinem Schatz :-) . Tom wird hinten auf den Gepäckstaschen sitzen und darauf aufpassen, dass mir die Autos nicht zu dicht auffahren.

Schauen wir uns das „Cockpit“ noch etwas genauer an:



Neben der obligaten Klingel haben wir da:

Fahrradcomputer: Sigma 2006MHR: Ist kabellos, das birgt die Gefahr, dass es zu Interferenzen kommen kann. Dafür zeigt er mir auch die gefahrenen Höhenmeter an und meinen Puls.

Navigation: Garmin Nüvi 550, das ich auch zum Autofahren verwende. Der Fahrradmodus vermeidet Schnellstraßen und Autobahnen, die Karten haben aber auch keine Radwege eingezeichnet (von denen es ohnehin fast keine gibt). Dafür ist das Ding wasserfest, stoßsicher und hat eine lange Akkulaufzeit.

Videokamera: Eine Contour HD.

Und ein Rückspiegel. Amerikaner sind Radfahrer weniger gewohnt als Österreicher.

Ohne Aufbauten ist das Rad ein Leichtgewicht mit 11kg, so wie auf dem Foto kommt man auf 18kg. Mit mir, dem ganzen Gepäck + Lebensmittel und Getränke werdens in Summe wohl 110-120kg werden, die ich über die Berge wuchten werde...

Wenn das Wetter passt, geh ich am Wochenende mit dem ganzen Equipment auf Probefahrt. Falls etwas nicht funktionieren sollte oder unpraktisch ist, will ich es lieber vor dem Flug bemerken. Schön langsam steigert sich die Spannung, ich spür schon ein Kribbeln in den Oberschenkeln…

Morgen in einer Woche geht der Flug. Dann eine Woche Quebec (Konferenz), und dann geht’s los.

Countdown: noch 18 Tage.

Montag, 11. Juli 2011

Die Idee

Eigentlich müsste ich ja viel früher anfangen. Am besten bei meinem ersten Fahrrad.


Oder den ersten Touren im Pinzgau. Die ersten 100km-Touren mit meiner Schwester zu den Krimmler Wasserfällen oder nach Salzburg, die erste Mehrtages-Tour durch Süddeutschland, die im Regen ersoffen ist. Oder mit dem ersten richtigen Rad-Urlaub mit Gaci, von Krakau nach Graz.


Die Idee ist mir dann während meiner letzten größeren Tour gekommen, von Graz nach Berlin, im Sommer 2008.


Als ich nach 9 Tagen und mehr als 1000km angekommen war, war mein erster Gedanke: „Schade, schon aus?“. Gleich danach fing ich an, mir ein neues Ziel zu suchen. Und fand es bald: eine Durchquerung der USA von Küste zu Küste. Die letzten beiden Sommer fielen aus beruflichen Gründen als möglicher Termin aus. Aber jetzt. Jetzt hab ich mir den nötigen Urlaub zusammengespart. Jetzt hab ich auch die nötigen Informationen zusammengesammelt. Ob ich auch die nötige Kondition habe, wird sich noch herausstellen.

Am Sonntag, dem 7.August 2011 solls in New York City losgehen. Spätestens am Mittwoch, dem 28. September will ich in San Francisco ankommen, denn zwei Tage darauf ist der Rückflug gebucht. Dazwischen liegen gut 6000km Strecke, für die ich alles in allem 53 Tage Zeit habe. Inklusive Pausentage oder Verzögerungen durch Regen.

Diese Strecke ist nicht die kürzest mögliche – obwohl ich bei der Planung darauf geachtet habe, keine großen Umwege zu machen. Ich will aber auch was vom Land sehen, und da gibt’s Einiges, das auf der Strecke liegt. Aus dem Grund unterscheidet sich meine Streckenplanung auch vom meisten, was im Internet zu finden ist; insbesondere im westlichen Teil: die meisten Tourenradfahrer scheinen dort Routen zu nehmen, die relativ weit im Norden oder zentral liegen, etwa über den Yellowstone-Nationalpark. Ich habe gerade die Gebiete weiter im Süden als wunderschön kennengelernt, und dementsprechend sieht auch meine Routenplanung aus.


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Hier die Highlights, die in der Karte mit Buchstaben markiert sind:
A: New York City
B: Niagara Falls
C: Chicago
D: Rocky Mountains
E: Arches National Park
F: Canyonlands National Park
G: Bryce Canyon
H: Zion National Park
I: Las Vegas
J: Death Valley National Park
K: Pazifikküste/Highway 1
L: San Francisco

In einem knappen Monat geht’s los. Bis dahin fülle ich den Blog mit ein paar Hintergrundinfos zu Ausrüstung, Strecke, Wetter und Klimadaten und was mir grad so einfällt.

Countdown: noch 27 Tage.