Mittwoch, 31. August 2011

Tag 24: Die Königsetappe

Jetzt bin ich wohl wieder offiziell gesundgeschrieben.


Strecke heute: 105,25 km 
Höhenmeter: 1853 m
Tagesschnitt: 15,19 km/h
Durchschn. Puls: 141
Wetter: im Tal windstill, ab 3400 m Seehöhe Sturm, nach dem Pass starker Gegenwind, 9-26°C
Zeit netto / brutto: 6 h 56 min / 8 h 55 min

Seehöhe Beginn/Schluss/Minimal/Maximal: 2295 m / 2424 m / 2289 m / 3713 m




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Ich habe die Trailridge Road geschafft! Die höchste asphaltierte Passstraße der USA! Und nach der Info eines Rangers am höchsten Punkt 3713 m über dem Meer. Da hab ich aber geschnauft.

Der Morgen beginnt recht frisch, da eine dicke Wolke über Estes Park hängt. Trotzdem herrscht gerade "Hitzewelle", denn es ist immer noch 5°C wärmer als im Durchschnitt. Und in dem Moment, in dem die Sonne rauskommt, geht auch die Temperatur sofort auf 14°C rauf, was für die Steigung ideal ist. Ich habe mir trotzdem meine lange Thermo-Laufhose drübergezogen und fahr auch langärmlig. Spar ich mir immerhin das einschmieren in der Früh. Da ich am Anfang einen kleinen Umweg fahre, der dafür eine geringere Steigung aufweist (quasi zum aufwärmen) komme ich in ein kleines verlassenes Seitental, in dem außer einem Ranger-Auto niemand unterwegs ist.


Aber dann gehts los. Ziemlich gleichmäßig, im Schnitt etwa 6% Steigung, maximal 7%. Damit auch die großen Wohnwägen raufkommen. Ich finde einen guten Rythmus, mach etwa alle 100 Höhenmeter eine kurze Pause, lockere auf und massiere. Dadurch bin ich zwar nicht besonders schnell, aber mein Bein macht mir keine Probleme mehr.

Übrigens täuscht die Höhe auf den Fotos gewaltig, denn die Baumgrenze ist hier erst bei etwa 3400 m! Aber auch mit Bäumen hat man herrliche Aussichten, die Trail Ridge Road trägt völlig zurecht den Titel einer scenic route. Und jeder hier ist Tourist, und alle fotografieren sich gegenseitig. Ich knips einen Motorradfahrer, er schießt dafür ein Foto von mir. Zu dem Zeitpunkt bin ich schon ziemlich zufrieden und habe mich auf 3300 m hochgeschraubt...


Ich grinse deshalb so weil ich glaubte, das schlimmste schon überwunden zu haben. Denkste! Denn kurz darauf wurde der Wind stärker. Und eine halbe Stunde später war es extrem schwer geworden vorwärts zu kommen. Ich schätze die Geschwindigkeit vom Wind auf etwa 30 km/h, mit einzelnen stärkeren Böen dazwischen. Wenn zufälligerweise die Fahrtrichtung passte, wurde man fast hinaufgeblasen, bei Gegenwind bin ich in den Untergriff und hab mich geduckt. Seitenwind war richtig gefährlich, besonders wenn ein Auto vorbeigefahren ist. Die Kombination "starker Wind - windstill - starker Wind" versetzt einen um einen halben Meter, da kann man noch so gegenlenken.


Hier erreiche ich die erste der beiden Passhöhen (Doppelpass, der erste ist eine Spur niedriger) auf 3700 m Höhe, den rock cut.



Von dort gehts 2 km runter und dann wieder 2 km rauf. Da sich die Straße in diesem Bereich auf einem Grat befindet, wurde der Wind noch stärker. Und ich habe, ich gebs zu, eine kurze Strecke geschoben, denn 7% Steigung mit 40 km/h Gegenwind und 20 Kilo Gepäck  auf 3700 m Höhe waren dann einfach zuviel. Ich habe auf dieser Passage beobachtet, wie ein Tourist auf einem Aussichtspunkt stehen geblieben ist, aussteigen wollte und wegen dem Wind die Autotür nicht aufgebracht hat! Musste er eben drinnen bleiben.

Danach gings wieder recht flott runter, wegen dem Wind bin ich aber vorsichtig gefahren. Es ist sehr seltsam, nach einer Viertelstunde bergab an einem Schild vorbeizufahren, auf dem "2 miles above sea level" steht...

Und jetzt komme ich zu der Stelle, die ich als den Mittelpunkt meiner Fahrradtour ansehe: die kontinentale Wasserscheide. An der bin ich ein paar Kilometer nach der Passhöhe vorbeigefahren.


Das Fahrrad halte ich übrigens fest, damit es nicht umgeweht wird.
Ein letztes Highlight kommt noch: gleich nach der Wasserscheide entspringt der Colorado River. Erstmals Zugang zum Fluss hat man ein paar Kilometer talabwärts. Laut Ranger ändert der Colorado hier jedes Jahr sein Bett ein wenig und hat ein ganzes breites Tal Platz dafür. Am allerersten Parkplatz, von dem ein Fußweg abzweigt bleibe ich stehen, marschiere einen Kilometer und finde einen der wenigen Fixpunkte des Flusses an einer kleinen Holzbrücke.


Noch ziemlich unscheinbar, aber auf meiner Reise werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal vorbeikommen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: ich hatte so massiven Gegenwind, dass sogar das Bergabfahren anstrengend wurde. Und so habe ich beschlossen, bereits in Granby stehenzubleiben. War eine gute Entscheidung, denn eine halbe Stunde nach meiner Ankunft ist ein schweres Gewitter runter, so dass die Motelfenster gewackelt haben. Hagel war auch dabei.

Und morgen? Der Ort Eagle muss drin sein, das sind etwa 125 km. Muss aber wieder früh los, da sehr starker Gegenwind angesagt ist und zwei kleine Pässe dabei sind. Schließlich sind wir ja in den Bergen.

Dienstag, 30. August 2011

Tag 23: Der Auftakt in die Rocky Mountains

Um mein Bein zu schonen, bin ich heute eine sehr kurze Etappe gefahren. Und sowohl Tomcat als auch Dominiks Eisbären haben mich angeschoben!


Strecke heute: 50,42 km 
Höhenmeter: 883 m
Tagesschnitt: 13,78 km/h
Durchschn. Puls: 125
Wetter: erst windstill, dann starker Gegenwind, 20-30°C
Zeit netto / brutto: 3 h 39 min / 4 h 15 min

Seehöhe Beginn/Schluss/Minimal/Maximal: 1511 m / 2295 m / 1511 m / 2315 m


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Und trotz der Kürze hab ich mir Einiges an Höhe erarbeitet, jetzt bin ich schon auf knapp 2300 m Seehöhe.

Loveand scheint eine nette Stadt zu sein, mit Vierteln von gepflegten Einfamilienhäusern. Und Eichhörnchen, wieder einmal.


Etwa 15 km gehts über Hügelchen dahin und ich gewinne nur leicht an Höhe. Und dann, fast von einem Moment auf den anderen, biegt die Straße in eine Schlucht. Von da an gehts stetig bergauf, und ich fühle mich fast wie zuhause :-)


Auf dem Weg liegt eine Seltenheit in den USA: Ein kleiner Familienbetrieb, der selbstgemachten Saft verkauft! Alles 100% Eigenproduktion, keine Konservierungsmittel, Zuckerzusatz oder sonstwas. Da muss ich mir einfach was mitnehmen und entscheide mich für einen "Blackbeary Cider", was sich sehr gut mit "Brombärsaft" übersetzen lässt. Eines der Logos des Betriebs ist nämlich ein Bär.


Leider ist der Weg nicht ganz gleichmäßig steil, ein paar Passagen testen mein Bein ganz schön. Maximum sind zwei kurze Strecken mit etwa 7% und Gegenwind, die Steigung werde ich morgen fast durchgehend haben. Überraschenderweise überstehe ich die Steigungen gut; auch, weil ich viele Pausen mache und zwischendurch immer massiere und auflockere. Aber ganz rund ist der Tritt noch nicht und ich spüre hin und wieder ein Ziehen im Muskel. Da musste ich heute noch vorsichtig sein, schließlich muss ich morgen topfit sein, da darf ich nichts riskieren.

Dazu muss ich sagen, dass mein Rad relativ "lang" übersetzt ist, also nicht wie ein Mountainbike, sondern wie ein Rennrad. Und unter normalen Umständen ist das auch kein Problem, schließlich hab ich die Appalachensteigungen auch geschafft. Aber sobald ich unter 10 km/h fahre, kann ich nicht mehr zurückschalten und muss eben fester treten.

Und schließlich, nach 35 km durchgehender Steigung, erreiche ich Estes Park!


Der Ort ist jetzt nicht die große Offenbarung und erinnert mich ein bisschen an Obertauern, nur wesentlich größer. Dafür haben die Motels witzige Namen wie "Appenzell Inn" oder Tyrol Inn". Es gibt hier aber Unmengen (nach amerikanischen Maßstäben) an Radfahrern, der Ort hat komplett auf Sommertourismus gewechselt. Das war früher nicht so: früher gab es hier die "Hidden Valley Ski Area" ein paar km oberhalb des Ortes; morgen werde ich vorbeifahren. Das Schigebiet ist 1991 geschlossen worden, da der Betrieb mit den Richtlinien des Rocky Mountains National Park nicht vereinbar war. Man stelle sich das in Österreich vor...

Hier in Estes Park steht übrigens das Stanley Hotel, Inspirationsquelle für Stephen Kings "The Shining", in dem ein Schriftsteller ein im Winter von der Welt abgeschottetes Hotel betreuen soll und dabei wahnsinnig wird (verfilmt vom genialen Stanley Kubrick mit dem noch genialeren Jack Nicholson: "Hier ist Johnnnyyy!").

 
Das mit Obertauern nehm ich jetzt zurück, Estes Park hat mehr Charme. Dafür sorgen auch die Hirsche. Die dürfen nämlich nicht gejagt werden und laufen frei in der Stadt herum. Der hier hat es sich zum Beispiel gerade auf dem Golfplatz gemütlich gemacht.


Und jetzt werde ich früh schlafen gehen, damit ich morgen zeitig rauskomme. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich wirklich auf den Pass brauchen werde, auf jeden Fall warten 1400 Höhenmeter auf mich. Schließlich habe ich mir ja nicht irgendwas ausgesucht, sondern die Trailridge Road, die höchste Passstraße der USA. Über die kontinentale Wasserscheide gehts ebenfalls, und zum Ursprung des Colorado Rivers!

Montag, 29. August 2011

Tag 22: Das Ende der Great Plains

Und noch einmal Danke an alle, die sich per Kommentar und Mail gemeldet haben! Das steigert die Motivation extrem :-) Mit dem Bein gehts bergauf, ok ist es aber noch lang nicht...


Strecke heute: 156,20 km 
Höhenmeter: 722 m
Tagesschnitt: 20,87 km/h
Durchschn. Puls: 118
Wetter: warm, erst Rücken-, dann Seiten- dann gar kein Wind, 20-30°C
Zeit netto / brutto: 7 h 29 min / 8 h 35 min




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Was soll das, da jammert er rum wegen seinem Bein und dann fährt er 156 km? Also zuerst einmal: ich habe heute kein einziges Mal mit meinem linken Bein voll reingetreten, das ist einfach so mitgelaufen. Und dann hatte ich die ersten 70 km Rückenwind. Und dann kam alles anders als gedacht...

Ich bin wie immer zeitig in der früh los und der Wetterbericht hatte recht behalten: Rückenwind! Unter normalen Umständen würde ich Gas geben, aber heute nutze ich die Gelegenheit, so wenig reinzutreten wie möglich, und trotzdem auf annehmbare Geschindigkeit zu kommen. Das funktioniert ziemlich gut, ich muss das linke Bein nicht überbelasten, und es tut auch nicht weh beim Fahren. Aber wehe, ich trete aus Versehen doch mal stärker rein: sofort meldet sich der Quadrizeps und sagt "so nicht!". Aber durch den guten Wind kann ich den Muskel richtig schonen, obwohl ich lange unterwegs bin.

Dadurch bin ich so gemütlich unterwegs, dass mein Kreislauf nicht einmal merkt, dass ich radfahre. Ich erwische mich dabei, laut zu pfeifen und zu singen und hab Zeit, mir die Landschaft anzusehen. Was so ein bisschen Wind alles ausmacht. Nebenbei kann ich auch noch ein paar Fotos schiessen. Der Mais ist in der Zwischenzeit von Rindern abgelöst:


Und unter der einheimischen Fauna findet sich auch der gemeine Asphaltfrosch, perfekt an seine natürliche Umgebung angepasst:


Um 11:30 bin ich in Greeley, meinem Mindestziel für heute. Das Bein ist ok, der Wind kommt von der Seite, ich habe mich daran gewöhnt, mit wenig Kraft und hoher Kadenz zu fahren. Natürlich fahr ich weiter! Und die paar kleinen Hügelchen ab Greeley taten dann auch nicht weh, ich bin sie auch extrem langsam angegangen.


Hier ganz links hinten im Bild sieht man übrigens die ersten Gipfel der Rocky Mountains! Und das sind nicht irgendwelche Wald- und Wiesengipfel, sondern der Apache Peak und der North Arapaho Peak, stolze 4096 m und 4115 m hoch.

Mein Ziel ist also Loveland, denn da gibt's die letzten Motels vor den Bergen und auch den Kamera-Retailer. Den steuere ich als erstes an. Die Spannung steigt - wird er die Kamera lagernd haben? Und, Überraschung: er hat geschlossen. Generell, jeden Montag. Das stand auf seiner Homepage aber anders.

Da es wenig Sinn hat, mir für heute noch die ganzen Höhenmeter bis Estes Park anzutun (wenn ich fit wäre, dann wäre ich noch raufgefahren), beschließe ich den Tag bei 123 km im Motel. Mit der Fahrleistung kann ich absolut zufrieden sein, dem Bein gehts auch nach der Fahrt besser als gestern, aber die Kamera scheint eine never-ending-story zu sein.

Und dann hab ich eine Idee.

Mein Schatz hatte mir ja einen Link mit allen Retailern zu meiner Kamera geschickt. Mal schauen, wie weit der nächste entfernt ist. Google maps befragt: 16 km. Eine Richtung (ich bin das erste Mal seit langem in einem Ballungsgebiet mit guter Infrastruktur). Es ist halb 3. Das könnte sich ausgehen. Auch die Telefonnummer finde ich schnell und rufe vom Zimmertelefon aus an. Frage, ob sie die xxx Kamera viellicht lagernd haben. Der Verkäufer schaut nach: "nein, im Lager leider nicht, aber sie hätten noch ein Ausstellungsstück!" Genau eins! Mein Adrenalinspiegel schießt in die Höhe. Ich bitte den Verkäufer, die Kamera aufzubewahren und schinde ein bisschen Mitleid mit meiner Geschichte. Morgen früh könne ich sie abholen.

Aber was ist, wenn der Verkäufer wechselt oder sonst was passiert? Ich schaue aus dem Fenster, sehe ein paar Gewitterzellen, die aber noch nicht reif sind und...langer Rede, kurzer Sinn: ich bin die 16 km zum Sportgeschäft und zurück gefahren und hab mir die Kamera geholt. Und sie funktioniert.

Und da ich gerade so in lasst-uns-alle-gemeinsam-schunkeln-Laune bin, hier noch ein Bild der Wolken während des heutigen Sonnenuntergangs:


Damit möchte ich den 2. Akt der Radtour, den mittleren Westen, schließen und den Dritten einleiten: die Berge.

Morgen geht's "nur" bis Estes Park, knappe 50 km, dafür gewinne ich einiges an Höhe. Im Moment bin ich bereits auf 1511 m Seehöhe, an meinem morgigen Ziel werden es etwa 2300 m sein.

Und heute musste ich mein Bein nicht voll belasten. Das sieht Morgen etwas anders aus, auch wenn es nur moderat bergauf gehen wird. Deshalb, um die Spannung aufrechtzuerhalten, noch ein Cliffhanger:

Wie wird mein Oberschenkel auf die Steigungen reagieren?

Sonntag, 28. August 2011

Tag 21: Zwangspausennachmittag

Vielen lieben Dank für die Gute-Besserungs-Wünsche! Ich brauch das ganz dringend, da ich psychisch doch ein bisschen geknickt bin :-)


Strecke heute: 74,34 km 
Höhenmeter: 175 m
Tagesschnitt: 19,92 km/h
Durchschn. Puls: 122
Wetter: heiss, mittlerer Seiten-/Gegenwind, 19-32°C
Zeit netto / brutto: 3 h 44 min / 4 h 35 min




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Heute war um 11:45 aus mit Fahren. Wegen des Oberschenkels. Eigentlich wollte ich bis Greeley, aber zwischen hier und dort ist Versorgungswüste, also kein Motel. Ich stand zu Mittag vor der Entscheidung, noch weitere 80 km zu fahren oder nicht, und habe mich dagegen entschieden.

Gestern Abend hab ich ja noch leicht gehinkt; wenn ich beim gehen das linke Knie leicht gebeugt habe ist es eingeknickt, weil der Muskel die Belastung nicht halten konnte. Ich frage mich ja noch immer, wie die Überbelastung so plötzlich passieren konnte, schließlich habe ich ja nichts anderes gemacht als die vergangenen 20 Tage auch. Wie auch immer.

Heute morgen schien alles so weit ok zu sein. Gehen funktionierte normal, ich spürte ein ganz leichtes ziehen und fertig. Also losgefahren. Nach 2 km Fahrt hab ich gemerkt, dass noch was im Muskel sitzt, und es ist mit der Zeit schlimmer geworden. Ab etwa 40 km hat sich der Schmerz stabilisiert. Der Wind hat nicht geholfen, hab Gegenwind gehabt, und so musste ich immer ein Spürchen mehr reintreten als ich wollte, sonst wäre ich gar nicht vom Fleck gekommen - schließlich hatte ich ja eine Tagesetappe von 155 km vor mir und prognostizierte Nachmittagstemperaturen von 35°C. Und nach 75 km stand ich dann vor der Entscheidung. Ich wollte es einfach nicht riskieren, weitere 80 km zu fahren, ohne Übernachtungsmöglichkeit. Also stop.

Zwei Stunden nach Ankunft habe ich mir ums Eck Futter geholt und bemerkt, dass ich auch heute leicht hatsche - wenn auch nicht so stark wie gestern. Immerhin, der Zustand verschlechtert sich nicht nach 75 km Fahrt, da ist ja schon was.

Ein großes Dankeschön an das Servicepersonal des Motels (Super 8, Fort Morgan)! Sie haben mich nicht nur vor Mittag schon einchecken lassen, sondern mir auch noch mein Fahrrad in den zweiten Stock getragen, ohne dass ich danach gefragt hatte! Das nennt man Service.

Und jetzt lieg ich im Bett und versuche möglichst wenig zu tun. Ausser einschmieren, hab da eine entzündungshemmende und schmerzstillende Salbe. Der Muskel ist ja gemein, wenn man ein paar Stunden Ruhe gibt, merkt man fast nichts mehr, und deshalb kann ich kaum einschätzen, was wirklich los ist.

Und auch in Arzt könnte mir im Moment nicht viel helfen, der würde mir höchstens sagen, ich solle mich schonen. Dann kann ich die Tour aber vergessen.

Vielleicht hilft ja Voodoo, ich hab Tomcat ein Pflaster aus meinem Erste-Hilfe-Set verpasst:


Morgen gehts bis Greeley, das sind 80 km. Wetterbericht ist gut, es wird weniger heiss, und mit Glück habe ich sogar ein bisschen Rückenwind, also müsste das drin sein. Wenns ganz gut läuft, dann gehts 120 km nach Loveland, dort befindet sich der Fahrradhändler, der auch gleichzeitig Retailer meiner Kamera ist. Von dem hab ich leider noch keine Antwort bekommen, da Wochenende.

Wünscht mir Glück, ich kanns brauchen!

Samstag, 27. August 2011

Tag 20: 3000 km, eine kaputte Videokamera und ein lädierter Oberschenkel

Soll ich mich freuen oder grün und blau ärgern?


Strecke heute: 149,44 km 
Höhenmeter: 490 m
Tagesschnitt: 21,58 km/h
Durchschn. Puls: 126
Wetter: heiss, mittlerer Seiten-/Gegenwind, 19-36°C
Zeit netto / brutto: 6 h 55 min / 8 h 5 min




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Im Moment ärgere ich mich eher. Am Montag wird sich dann die Situation klären.

Der Tag hat ja recht gut angefangen. Leichter Gegenwind, angenehme Temperaturen, gut zu fahren. Unterwegs sind mir viele Ideen gekommen, was ich denn so alles in den Blog schreiben könnte, etwa, dass ich von der Hauptroute der Reiseradler abgebogen bin, weil die meisten entlang des North Platte Richtung Yellowstone fahren. Und ich entlang des South Platte Richtung Rocky Mountains National Park, was eine eher ungewöhnliche Streckenführung ist. Auch die Siedlertreks haben vor 150 Jahren die Nordroute gewählt. Nur ein Trek nicht: der Whiskeytrek aus dem Film "40 Wagen Westwärts", der fuhr genau die Strecke, auf der ich heute auch unterwegs war.

Positives Highlight war auf jeden Fall die Grenze zu Colorado, die ich heute überschritten habe. Und wie es der Zufall so will, ziemlich genau auf meinem 3000. Kilometer!


Kurz darauf reite ich in Julesberg ein, dem Start des Wiskeytreks. Ein paar hübsche Straßenzüge, mehr nicht, aber die will ich auf der Videokamera festhalten, die ich auf meiner Lenkstange montiert habe. Versuche einzuschalten. Nichts rührt sich. 2. Versuch. Mir fällt auf, dass der Knopf keinen Druckpunkt mehr hat. Ich öffne hinten die Gummiabdeckung und sehe, dass der Schalter fehlt!? Was auch immer los ist, vor Ort will ich die Sache nicht klären, sonst geht vielleicht noch ein Teil verloren. Missmutig verzichte ich auf die Kamera und fahre weiter.

Da die Strecke recht unspannend ist (90 km geradeaus) und das Auspacken des großen Fotoapparats umständlich, habe ich auf der weiteren Fahrt nur mehr wenige Fotos geschossen. Nämlich von Präriehunden, die es hier haufenweise gibt. Wenn man sich mit dem Rad nähert, sausen sie alle davon in ihre Erdlöcher, und einige wenige bleiben stehen und halten Wache:


Dabei pfeifen oder quietschen sie sich gegenseitig zu, bis ich wieder abfahre. Zum Fotografieren perfekt, zum Filmen weniger, da sie wie versteinert dastehen und versuchen, ihre Farbe der Umgebung anzupassen. Was ziemlich gut gelingt.

Im Motel angekommen, schaue ich mir die Videokamera genauer an. Dabei stellt sich heraus, dass der Ein-/Ausschaltknopf von der Platine heruntergebrochen ist. Für mich irreparabel, ein Fall für einschicken und nach einem Monat wiederbekommen. Damit kann ich diese Kamera für den Rest der Reise vergessen.

Und die Kamera ist nicht irgendeine x-beliebige, sondern meine Helmkamera. Ich habe sie gezielt ausgesucht (und hab sie dann von meinem Schatz geschenkt bekommen), da sie eine der ganz wenigen Kameras auf dem Markt ist, die sich auf eine Lenkstange montieren lässt und somit die Fahrt "live" mitfilmt. Andere Lösungen mit anderen Kameras sind viel zu wackelig, um das zustande zu bringen. Und weltweit gibt es gerade 3 Hersteller, die Kameras dieser Art in vernünftiger Qualität produzieren. Ein echtes Spezialprodukt also. Dazu kommt noch Zusatzequipment wie z.B. die Lenkradhalterung, die nur mit dieser einen Kamera kompatibel ist.

Ich wollte nämlich nach der Reise einen Film zusammenschneiden, um meine Erinnerungen besser aufzubewahren. Schnittprogramm hab ich schon, war auch nicht billig. Und auch beim Kauf meines letzten Computers habe ich Wert darauf gelegt, dass er kräftig genug für Videoschnitt ist.

Und da meine Radreise für mich ziemlich einzigartig ist, ich alles ziemlich genau geplant und ausgetüftelt hatte und die Reisedokumentation an einem gebrochenen Schalter scheitern könnte, wurmt es mich ganz gewaltig.

Ich könnte aber Glück haben: mein Schatz hat alle Contour (das ist die Firma) Retailer in der Gegend herausgesucht und einer davon liegt genau an der Strecke, an der ich am Montag vorbeifahre. Wobei es nicht heisst, dass das Geschäft die Kamera lagernd hat. Wenn nicht, dann hab ich Pech gehabt und die nächste Chance bietet sich erst in Las Vegas. Damit gehen 2 Wochen schönste Landschaft großteils verloren.

Und der zweite Rückschlag von heute: ab km 100 begann mein linker Oberschenkel zu schmerzen. Nicht Gelenk, sondern Muskel, wie von einem sehr schweren Muskelkater. Relativ plötzlich, ich habe keine hastige Bewegung oder sonstwas gemacht. Auf jeden Fall tut's weh, und beim Gehen hatsch ich ein bisschen. Ich tippe auf eine Zerrung, mein Schatz auf einen eingeklemmten Nerv. Muskelfaserriss ist es glaub ich keiner, denn den müsste man an einem blauen Fleck erkennen. Wie das weitergehen soll weiss ich noch nicht, laut Plan ist in 3 Tagen ein Pass mit einer Gipfelhöhe von 3707 m dran. Keine Ahnung, ob ich das so schaffen kann.

Ufff. Und ich dachte der retardierende Moment kommt erst im 4. Akt.

Freitag, 26. August 2011

Tag 19: In der Prärie...

...also Grasland, Büsche, kaum Bäume. Wunderschön!


Strecke heute: 144,84 km 
Höhenmeter: 348 m
Tagesschnitt: 23,29 km/h
Durchschn. Puls: 126
Wetter: heiss, mittlerer Wind, am Vormittag Gegen- am Nachmittag Rücken-, 24-35°C
Zeit netto / brutto: 6 h 13 min / 7 h 5 min



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Bevor ich über den heutigen Tag schreibe, möchte ich den Menschen an der Ostküste Glück wünschen. Ich hatte es nur im Augenwinkel mitbekommen und Evi hat mich mit ihrem Kommentar darauf aufmerksam gemacht: der Hurricane Irene ist dabei, die Ostküste aufzurollen. Hab mich dann im weather channel schlau gemacht. Irene ist zwar bei weitem nicht so stark wie der Hurricane, der 2005 New Orleans unter Wasser gesetzt hat, zieht aber über viel dichter bevölkertes Gebiet. Kommt angeblich nur alle 20-30 Jahre vor. Daumen drücken, dass alles gut geht!

Bis in die Great Plains kommen Hurricanes sowieso nicht, und die Tornadosaison ist auch schon vorbei. Stattdessen wars ziemlich heiss, aber gut auszuhalten, da die Luft viel trockener ist als noch in Iowa (40 statt 65% Luftfeuchtigkeit bei 35°C). Leichter Fahrtwind dazu, und Radfahren ist gar nicht unangenehm.

Heute Morgen, kurz nach dem Start, kam gleich die erste Überraschung: die Mais-Monokulturen hörten plötzlich auf! Stattdessen kam leicht hügeliges Grasland, wobei sich die Hügel auf das Land beschränkten und sich netterweise nicht bis auf die Straße ausdehnten. Iowa, nimm Dir ein Beispiel daran. Wunderschöne Landschaft, und das i-Tüpfelchen: alles war übersät von einer mir unbekannten gelben Blumensorte (mein Vater kennt vermutlich den lateinischen Namen und die botanische Klassifizierung). Und damit's noch kitschiger wird: Pferde! Zuerst natürlich Rosinante, mein Alu-Ross:


Und dann die Echten:


Den ganzen Tag durfte ich heute durch diese Landschaft fahren. Mit einer Unterbrechung: North Platte, der größte Ort auf meiner Strecke. Und der hat die besten Zeiten eindeutig hinter sich. Viele Menschen sitzen einfach so auf dem Gehsteig, die Häuser sehen arg renovierungsbedürftig aus und, das erste Mal, ist fast jeder Garten mit einem hohen Maschendrahtzaun abgegrenzt. Bisher hatte ich Zäune nur ganz selten gesehen. Die Leute hier scheinen nicht viel gegenseitiges Vertrauen zu haben.

Oder es ist wegen der Hunde. Radfahrers Lieblinge. Auch in keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Hunde pro Garten gesehen, grob geschätzt etwa 0,2. Ständig bellte es von irgendwo her, ich scheine als Radfahrer eine immense Gefahr auszustrahlen. Aber heute war's wegen der Zäune fast schon witzig: ich biege in eine kleine Seitenstraße ein und sehe in einer Entfernung von etwa 200 m eine Riesen-Dogge hinter einem Maschendrahtzaun, die Besitzerin sitzt daneben auf der Treppe der Haustür. Also alles sicher für mich. Der Hund sieht mich auch und flippt sofort aus. RADFAHRER! Jagdinstinkt ist geweckt, aber er kommt nicht raus aus seinem Garten. Und so muss er sich damit begnügen, wie wahnsinnig auf dem Rasen herum zu rotieren und aus Leibeskräften zu kläffen, während ich es gaaar nicht eilig habe und gemütlich vorbeifahre. Hehe. Ein zweiter Riesen-Hund (kleine scheint's hier nicht zu geben) ist nicht eingezäunt und nimmt bereits Anlauf aus seinem Garten raus. Beim Überqueren der Seitenstraße hatte er allerdings nicht mit Verkehr gerechnet und beide, Auto und Hund, bleiben quietschend bzw. winselnd stehen. Der Hund hat daraufhin sichtbar über die Konsequenzen seines Tuns reflektiert und wird sich in Zukunft bessern.

Angekommen bin ich heute dann in Ogallala, das seinen Namen, wie ich gerade gelesen habe, dem Indianerstamm der Oglala verdankt. Vom Stamm ist nichts mehr übrig, wohl aber ein klein wenig Architektur aus der Gründerzeit des Ortes, nämlich ein Straßenzug aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der ist noch orginal, nur leicht renoviert und ziemlich authentisch.


Und ich finde, ich passe mit meinem Fahrrad wesentlich besser hierher als die anderen Touristen mit ihren Großraumgeländewagen.

PS: Habe eine weitere Zeitzonengrenze überschritten und ticke in Mountain Time!
PPS: Wieder 200 Höhenmeter gut gemacht. Bin jetzt auf 981 m Seehöhe.
PPPS: Habe bereits jetzt eine Reservierungsanfrage an das Motel im Panamint Valley für den 18. September geschickt. Das Motel ist das einzige weit und breit und schnell voll. Habe dafür 2 Puffertage eingerechnet.

Donnerstag, 25. August 2011

Tag 18: Auf dem Oregon Trail

Strecke heute: 203,53 km (kein Tippfehler)
Höhenmeter: 544 m
Tagesschnitt: 23,28 km/h
Durchschn. Puls: 131
Wetter: heiss, mittlerer Wind, 2/3 von links vorne, 1/3 von links hinten, 17-32°C
Zeit netto / brutto: 8 h 44 min / 10 h 0 min




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Der dritte Kraftakt hintereinander und ich habs geschafft: ich habe meinen eigenen Zeitplan wieder eingeholt! Das bedeutet, ich habe jetzt wieder volle 5 Reservetage zur Verfügung. Da ich noch schlecht einschätzen kann, wie es mir mit dem ganzen Gepäck über die Berge gehen wird, ist mir das viel wert. Und ab jetzt gibt es auch wieder Etappen normaler Länge. Heute stand ich einfach vor der Entscheidung, ob ich die 40 km Rückstand, die ich noch hatte, am Nachmittag aufhole oder einen Teil davon auf Morgen verschiebe. Da für Morgen aber 35°C angesagt sind, habe ich mich für erstere Variante entschieden...


Der heutige Tag war gar nicht schlecht und bei weitem nicht so langweilig wie befürchtet. Denn ob man ständig identisch aussehende Hügel (Iowa) oder eine weite Ebene sieht ist auch schon egal. Etwas Abwechslung bringen hier die Güterzüge: geschätzte 2 km lang, machen einen Riesenkrawall und brauchen einige Minuten, bis sie in gemächlichem Tempo vorbeigezogen sind. Dieser hier hatte gezählte 111 Waggons...




Und noch etwas ist neu: ich befinde mich das erste (und einzige) Mal auf der "Hauptstraße" für Kontinent-Durchquerungs-Radler. Wenn man nicht extrem weit nördlich oder südlich fährt, kommt man hier fast zwangsläufig durch. Und so habe ich heute bereits 3 Gleichgesinnte getroffen, die mir entgegengekommen sind. Hier z.B. Chris aus Kentucky, mit dem ich mich eine Weile unterhalten habe.




Chris ist 65 und schaut mindestens ein ganzes Jahr jünger aus. Es ist bereits seine zweite USA-Durchquerung, diesmal von Washington bis Florida. Trotz seiner Stollenreifen hat er alle 500 Meilen einen Platten und ist ganz verwundert als ich ihm erzähle ich hätte noch keinen Einzigen gehabt.


Und so geht der Tag eigentlich recht flott dahin; die Züge, kleine schon fast westernartige Städtchen und ein paar nette Unterhaltungen sorgen für Abwechslung. Die Leute hier sind recht freundlich, bestimmt mehr als zehn entgegenkommende Autos haben gehupt und gewunken (eigentlich die Fahrer, nicht die Autos)...


Unhübsch anzusehen ist leider der Roadkill (aber der verfolgt mich schon seit Beginn der Reise, nur die Tierarten wechseln), und heute sehe ist das erste Mal, wie so was zustandekommt. Gottseidank wars nur eine beinahe-kill, aber immer hin sehr knapp. Kurz nach Kearney versucht eine Laufvogel-Familie die Straßenseite zu wechseln. Ich werde langsamer, der Autofahrer hinter mir zunächst nicht, muss dann eine Vollbremsung hinlegen und bleibt haarscharf vor den Vögeln stehen, die auseinanderstieben.  




Diese Route ist auch nicht nur für mich und andere Tourenradfahrer sehr bequem, sie hat auch historische Bedeutung: Mitte des 19. Jh war genau diese Strecke Teil von verschiedenen Siedlertrails, nämlich dem Oregon- dem Califonia- und dem Mormontrail, die sind alle hier durch. Auch die Strecke des Pony Express und die erste durchgehende Zugverbindung von Chicago bis zur Westküste verliefen hier. 


Und ich werde dem Platte River noch 3 Tage folgen und dann meinen Rockies-Pass ansteuern. Da freu ich mich jetzt schon drauf :-) 


PS: Ich habe heute schon deutlich an Höhe gewonnen und bin jetzt auf 780 m Seehöhe, also etwa so hoch wie Piesendorf :-)

Mittwoch, 24. August 2011

Tag 17: Ab jetzt wirklich in den great plains!

Yihaa!!!


Strecke heute: 185,10 km
Höhenmeter: 974 m
Tagesschnitt: 21,21 km/h
Durchschn. Puls: 130
Wetter: heiss und schwül, mittlerer Seitenwind, 25-32°C
Zeit netto / brutto: 8 h 43 min / 9 h 50 min




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Geschafft! Ich bin aus den Hügeln draussen! Vielleicht mag sich der eine oder andere fragen, warum ich in den letzten beiden Tagen so extreme Etappen gefahren bin. Ich hab mir vorgenommen den Rückstand, den mir das unerwartet hügelige Iowa eingebracht hat, wieder aufzuholen. Körperlich gehts mir gut, und so lange das so bleibt, nutze ich das stabile Wetter. Auch wenns ziemlich heiss ist. Und mit dem Kraftakt von gestern und heute fahre ich meinem "Optimalplan" nur mehr 40 km hinterher.

Dabei war es entscheidend, am Platte River und damit am Highway 30 anzukommen. Ich habe schon in verschiedenen Quellen gelesen, dass hier der Weg einfach nur eben (mit einer ganz leichten Steigung, mehr dazu später) ist. Ausserdem ist nicht viel Verkehr und die Straße hat eine gute shoulder, ist also angenehm zu fahren. Und in google maps findet man, dass es hier alle 20 km einen Ort mit Tankstelle, Restaurants und Motels gibt. In den letzten Tagen waren es alle 50 km. Damit bin ich jetzt viel freier in meiner Tagesplanung und kann reagieren, wenn's grad besonders gut oder schlecht geht!

Und wie lief's heute? Ziemlich gut! Die extreme Schwüle von gestern hat mich abgehärtet und jetzt kommen mir 32°C bei 60% Luftfeuchtigkeit durchaus erträglich vor. Aber genau in den Momenten, in denen man zum trinken stehen bleibt, wird man zum Springbrunnen. Dann darf man nicht nach unten schauen, sonst brennen die Augen...

Am Morgen bestätigt sich der Eindruck von Omaha, den ich gestern schon gehabt hatte:


Omaha scheint mir eine Mischung aus Buffalo und San Francisco zu sein. Unglücklicherweise besteht die Mischung aus der Topografie von San Francisco und dem Charme von Buffalo. Mir wäre auch noch nie die schlechte Luft in einer Stadt so aufgefallen wie hier. Ich bin also ganz froh, wieder draussen zu sein. Aber über jeden Ort soll man auch was Gutes sagen, und das betrifft hier den Radweg, den ich in der Stadt gefunden habe: der war wirklich schön und hat mir einige Hauptstraßen erspart :-)


Und bald nach Omaha überquere ich auch den Platte River. Ich folge ihm aber noch nicht, denn das wäre hier etwa 40 km Umweg. Stattdessen fahre ich kerzengerade Richtung Westen weiter.


Ich finde es faszinierend, wieviel Platz hier den Flüssen noch gelassen wird. Es ist aber auch genug Platz da...

Nebraska versucht dann auf den ersten 100 km Iowa nachzuäffen, schafft es aber nicht ganz. Die Hügel sind zwar da, aber nicht mehr so giftig wie noch gestern. Und dann macht Nebraska das, was man von ihm erwartet: es ist flach. Wobei, meine Wahrnehmung von "flach" ist im Moment noch etwas verschoben...

Den täglichen "Herr, schmeiß Hirn vom Himmel" - Moment erlebe in einer Baustelle. Die Fahrbahn ist über mehrere Kilometer hinweg von kleinen roten Kieseln übersäht, die ein wenig mit Teer verklebt sind. Die Straße ist aber breit und hat auch einen guten Seitenstreifen, der frei ist und auf dem ich fahre. Auch auf der Fahrbahn haben sich schon 2 Spuren frei von Kieseln gefahren, und die meisten Autos fahren auch genau in diesen Spuren. Alles geht sich locker aus. Aber einige wenige Spezialisten...


...glauben mich besonders weiträumig umfahren zu müssen. Und landen damit mit den rechten Reifen mitten im Schotter, der dann quer durch die Gegend fetzt. Durch den Teer haftet er nämlich besonders gut am Reifen und kann richtig Schwung holen, um dann möglichst weit zu fliegen. Das prasselt! Wenn ich nackt fahren würde, würde ich ein Peeling bekommen. Mach ich aber nicht. Und bin froh, auch eine Brille aufzuhaben. Der arme Tomcat kriegt natürlich die volle Ladung ab.

Und schließlich lande ich nach 160 km wieder am Platte River. Und alles ist so wie erwartet :-) Extrem flach, gute Schulter und eine minimale, gleichmäßige Steigung, die man nie bemerken würde, wenn es der Höhenmesser nicht anzeigte.


Die Silos sieht man übrigens etwa 10 km weit! Was drinnen ist weiß ich natürlich nicht - Kühe sinds keine, dafür gibt es in der Gegend zu wenige - vermutlich irgendwas mit Mais. Schaut Euch mal die Waggons daneben an, dann könnt Ihr die Größe der Dinger abschätzen.

Zur Steigung: ich bin jetzt in Central City, das liegt auf gut 500 m Seehöhe. Bis zum Fuß der Rockies fahre ich größtenteils am Platte River entlang, der langsam ansteigt. Und zwar bis auf 1600 m, denn erst ab der Höhe beginnen dann die Berge! Im Schnitt braucht man für die kommende Strecke damit eine Steigung von etwa 0,2-0,3%, um die Höhe zu überwinden - und genau die Steigung hat die Straße auch. Und zwar konstant, ohne irgendwelche Tricks...

Dienstag, 23. August 2011

Tag 16: An der Leistungsgrenze

Schaut Euch mal die Statistik an, dann wisst Ihr auch warum...


Strecke heute: 183,70 km
Höhenmeter: 1705 m
Tagesschnitt: 18,12 km/h
Durchschn. Puls: 134
Wetter: extrem schwül, mittlerer bis starker Seiten- und Gegenwind, 22-34°C
Zeit netto / brutto: 10 h 8 min / 11 h 20 min




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In der Früh hab ich schon gewusst, dass der Tag anstrengend wird, aber dass er so extrem sein wird, hätte ich mir nicht gedacht. Im Endeffekt hat sich mein Dickschädel durchgesetzt und ich habe trotz aller Widrigkeiten mein Tagesziel erreicht. Aber das war ein Stück Arbeit!

Und heute dürft Ihr mir nicht böse sein, wenn ich kaum Bilder bringe. Hügel warns eben, mit Steigungen zwischen 2 und 9%. Die weniger anstrengenden ungefähr so wie der Aufhauserbichl, aber das waren die wirklich leichten. Und davon dann etwa 100 hintereinander. Und das war mein Tag! Und jetzt stellt Euch noch den Wind vor, 34°C und 65% Luftfeuchtigkeit. Der weather channel sprach von einer gefühlten Temperatur von etwa 40°C, das dürfte in etwa hinkommen.

Aber um nicht ständig Bilder von Steigungen und Hügeln zu zeigen, etwas ganz anderes:


Wild, was die Amis alles auf der Straße transportieren!

Nach 165 km Hügeln, Wind und Hitze war ich ziemlich kaputt, aber endlich in der Nähe von Omaha und hab neben der Straße einen Radweg gefunden. Die Planer dürften sich dabei aber nicht allzuviel Mühe gegeben haben, denn plötzlich war der Weg von einem grünen Film überzogen...


Ist etwas undeutlich, da Gewitter im Anmarsch. Der grüne "Film" stellt sich als Wasserlinsen heraus, denn der Radweg ist geflutet! Bis ich reagieren kann, stecke ich schon 20 cm tief drinnen. Ich schaffe es, ohne abzusteigen umzudrehen, beim pedallieren taucht aber ein Schuh komplett ins Wasser ein. Der wird jetzt grad trockengelegt. Und ein paar Kilometer drauf, darf ich mein Fahrrad (30 kg mit Gepäck) über eine 1 m hohe Steinmauer wuchten, da der Radweg dort gesperrt ist, allerdings ohne jeden Grund!

Von Omaha hab ich dann gar nicht mehr viel mitbekommen, bin wie in Trance zum Motel. Eins hab ich aber gesehen: Jedes zweite Auto hier hat einen Blechschaden.

Sorry dass ich heute nicht positiver bin, aber ich bin einfach fix und fertig. Hoffentlich wird's morgen besser, ich trau mich aber gar keine Prognosen mehr abgeben. Sicher ist nur, dass ich in 160 km Entfernung endlich auf den Platte River stoßen könnte, und spätestens dort ist finito mit Hügeln.

Montag, 22. August 2011

Tag 15: H-Ü-G-E-L-I-G im mittleren Westen

Strecke heute: 131,98 km
Höhenmeter: 963 m
Tagesschnitt: 20,62 km/h
Durchschn. Puls: 126
Wetter: sonnig und heiss, Seitenwind, 22-32°C
Zeit netto / brutto: 6 h 24 min / 6 h 55 min


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Zuallererst muss ich einen Irrtum eingestehen: Ich bin ja noch gar nicht in den Great Plains! Sondern erst im Mittleren Westen. Kein Wunder, dass es hier so hügelig ist! Und dann kommen auch einige Höhenmeter zusammen, siehe heutige Statistik. Je nach Definition starten die Great Plains erst am 100. Längengrad, ab 600 m Seehöhe oder der 500 mm Isohyete (Richtung Westen wirds trockener), was aber ziemlich dasselbe ist. Für mich beginnen sie dann effektiv, sobald ich am Platte River angekommen bin, denn ab da wirds garantiert flach.

Und das wars heute ganz und gar nicht. Jaaa, liebe Gegend, Du bist eh hübsch, aber so besonders auch wieder nicht, das muss einfach mal gesagt werden. Der mittlere Westen und dann die Great Plains sind eben ein bisschen Mittel zum Zweck dieser Reise, nämlich einer kompletten Durchquerung des Kontinents. Und etwas weniger Wind wäre auch mal ok. Bekomme ich leider nicht, dafür werde ich ab Morgen die Ausläufer der Hitzewelle spüren, unter der der Süden im Augenblick stöhnt. 34°C sind angesagt, bei 65% Luftfeuchtigkeit. Die Leute hier sagen auch, dass der heurige Sommer ungewöhnlich heiss ist.

Zurück zur Gegend. Die sieht hier etwa so aus:


Bei Knoxville gestatte ich mir dann 10 km Umweg, da ich durch die heutige kürzere Etappe genug Zeit habe und ich so den Highway 5 vermeiden kann, der 4-spurig ist und ohne Seitenstreifen. Stattdessen mache ich einen kleinen Abstecher zum Lake Red Rock, einem Stausee des Des Moines Rivers.


Stauseen sind hier selten, meistens schlängeln die Flüsse recht naturbelassen dahin.

Und dann kommt eine Baustelle! Auf meiner schön ausgetüftelten detour liegt eine detour. Und die Umleitung versucht mich genau auf den Highway 5 zu lotsen, noch dazu in die verkehrte Richtung. Das ist mir dann einfach zu dumm, ich lasse es darauf ankommen und fahre in die gesperrte Straße rein. Und die Bauarbeiter sehen auch überhaupt kein Problem darin, dass plötzlich ein Radfahrer auftaucht. Natürlich könne ich durch, ich muss nur nachher die Absperrung wieder zumachen.

Das war dann auch die letzte Schwierigkeit, ab da folgten nur mehr weitere Hügel.

Und nun zur Sehenswürdigkeit: Evi hat ja den größten Maiskolben vorgeschlagen. Das dürfte ich den Leuten hier keinesfalls sagen, denn es handelt sich um:


John Wayne! Der ist natürlich nicht die Sehenswürdigkeit, weil schon tot (obwohl sich das ja nicht notwendigerweise ausschließen muss, den Amis traue ich zu, dass sie ihn ausstopfen), sondern seine Geburtsstätte. 1907 in Winterset, Iowa. Und hier bin ich jetzt. Das "Museum" ist im Augenblick mehr ein Souvenirshop, ein richtiges Museum ist aber geplant, und die Finanzierung fast gesichert.

Nicht lachen, schließlich haben wir auch ein Schwarzenegger-Museum und Mozarts Geburtshaus ;-)

Die Amis lassen nichts über ihren Duke kommen, Kritik ist da nicht angebracht. Und sofern es nicht um Militarismus oder volkstümliche Musik geht, bin ich ja auch bei jedem Blödsinn dabei. Also besorge ich mir mein John-Wayne-Accessoire, nämlich ein Halstuch. Und Tomcat probierts auch gleich in Wild-West-Manier aus:


Und ich komm jetzt noch breitbeiniger daher als eh schon vorher. Und höre John Waynes kratzige Synchronstimme: "Und ich rate Dir, wenn Du Richtung Westen reitest, packe die Schokoriegel..."

Morgen habe ich viel vor und werde früh starten, vielleicht kann ich wieder ein paar  Kilometer aufholen. Wenn mich nicht die Hitzewelle bremst.

Sonntag, 21. August 2011

Tag 14: Kleiner Rückschlag trotz 2000km Marke

Weisheit des Tages: Wenn Du mit Schokoriegeln Richtung Westen fährst, pack sie in die rechte Satteltasche, denn da scheint NICHT die Sonne drauf. 


Strecke heute: 165,09 km
Höhenmeter: 883 m
Tagesschnitt: 21,15 km/h
Durchschn. Puls: 127
Wetter: sonnig, heiss/schwül, erst Seitenwind, dann Gegenwind, 22-31°C
Zeit netto / brutto:  7 h 48 min / 8 h 40 min




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Eigentlich wars ein erfolgreicher Tag, trotzdem bin ich nicht ganz zufrieden. Warum? Weil ich mein Maximalziel das erste Mal auf dieser Reise nicht erreicht habe. Das wäre heute Knoxville gewesen. Zugegebenermaßen ambitioniert, es wären 197 km gewesen. Auf der Papierform aber möglich. Und es gibt 3 Gründe, warum ich es nicht geschafft habe und sich deshalb der Zeitplan der (mindestens) nächsten 5 Tage ändern wird.

Nulltens hab ich verschlafen und bin erst um 6:20 auf. Das zähle ich aber gar nicht als Grund, offenbar hab ichs gebraucht. Es wäre sich auch so ausgegangen. Damit beginne ich bei...

...erstens: von wegen Great Planes! Hier ist es hügelig! Und der bikeroutetoaster hat mir all die kleinen Hügel bei der Planung unterschlagen, ich bin 500 Höhenmeter mehr gefahren als veranschlagt. Und die Hügelchen sind mit Gepäck nicht ohne und haben zwischen 2 und 7% Steigung.

Zweitens: Straßensperre des Highway 92 und Umleitung. Die hat mich 8 km Umweg gekostet. Damit war das Ziel schon sehr fern, aber unter idealen Umständen noch möglich, wenn da nicht...

..drittens der Seitenwind zu Mittag in Gegenwind umgeschlagen hätte. Damit war die Sache gelaufen und ich war froh, in Oskaloosa anzukommen, nach 165 km Fahrt.

Genug gejammert. Bringen wir ein paar schöne Bilder der Strecke. Der Tag beginnt im recht hübschen Muscatine, ab dem ich ein paar Kilometer einem Radweg direkt am Mississippi folgen kann. Die Mischung aus schönem Radweg, blauen Fluss und rauchenden Fabriken ist dabei etwas eigentümlich...


...und erinnert mich an einen Raddampferausflug, denn ich ein Jahr vor Katrina (also 2004) in New Orleans gemacht hatte. Die Sehenswürdigkeiten, die man dabei zu sehen bekam, waren ebenfalls ausnahmslos Fabriken ("...and here you see our sugar plant. The sugar then goes directly to Kentucky Fried Chicken and is used for their burgers..." Yuck!).

Einer der unzähligen Hügel (kommt auf den Fotos leider nie so ganz rüber...):


Und genau ein Mal am Tag ist es flach, nämlich bei meinem 2000er!


Ein kurzes Motivationsloch habe ich dann zu Mittag etwa bei km 100, als die Hügel nicht aufhören, der Wind plötzlich von vorne kommt, die Umleitung gerade anfängt und ich in der Pause einen Schokoriegel aus der Packung trinke. Und dann fährt ein Motorradfahrer vorbei. Aus seinen Lautsprechern tönt laut Wish You Were Here von Pink Floyd und er winkt mir zu. Das gibt mir wieder Schub und ich stemme mich gegen den Wind. Überhaupt die Motorradfahrer: jeder zweite grüßt mich, obwohl ich keinen Motor habe!

Dadurch, dass ich heute Knoxville nicht erreicht habe, muss ich meine Route umplanen. Das geplante Ziel für Morgen, Atlantic, Ia, ist komplett unerreichbar, das wären 220 km. Und vor Atlantic gibts nicht viel, die Moteldichte ist hier sehr gering. Und auf eine andere Route auzuweichen kostet in dieser Gegend etwa 40 km Umweg. Also hab ich beschlossen, morgen einen etwas kürzeren Tag einzulegen und "nur" bis Winterset zu fahren, das ist die letzte Station vor der Versorgungswüste und in etwa 125 km. Dort gibts sogar eine kleine Sehenswürdigkeit, für die ich dann Zeit habe, aber die verrate ich erst morgen!


Samstag, 20. August 2011

Tag 13: Über Gewitter, den Mississippi und freundliche Amerikaner

Strecke heute: 184,52 km
Höhenmeter: 566 m
Tagesschnitt: 22,49 km/h
Durchschn. Puls: 136
Wetter: am Vormittag bedeckt und Gewitter, am Nachmittag schwül/heiss und sonnig. leichter Seitenwind. 22-32°C
Zeit netto / brutto:  8 h 12 min / 9 h 47 min


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Noch ein Nachtrag zu gestern: genau in dem Moment, als ich mit der Routenplanung für heute fertig war, totaler Stromausfall. Nicht nur im Motel, sondern in der ganzen Stadt. Bis 3 in der Früh. Jetzt funktioniert der Laptop zwar auch mit Akku, der Server fürs wireless lan aber nicht! Nochmal Glück gehabt.

Heute startete ich früh und war um 7 on the road. Es hatte schon 22°C und war so schwül, dass sogar die Maisfelder schwitzten (Morgennebel).


Und ich auch. So eine drückende Schwüle schreit geradezu nach einem Gewitter, und das am Vormittag. So richtig hell wurde es auch nicht, alles dunkelgrau, und so war das Wetter für mich schwierig einzuschätzen. Aber dann kam ein eindeutiges Zeichen.


Schnell Navi gecheckt: bis in den nächsten Ort sind es 5 km. Und genau darüber sitzt das Gewitter und kommt auf mich zu. Musste ich mir was anderes überlegen. Rechts von mir eine Farm mit vielen Geräteschuppen, und hinter einem der Gebäude hörte ich einen Traktor. Gerade darauf zu, und fragte den Farmer, ob ich mich in einem seiner Schuppen unterstellen dürfte, da ein Gewitter kommt. Der Farmer schaut zum Himmel, meint "that's serious"  und lädt mich daraufhin ein, mich so lange unterzustellen wie ich will. Genau in dem Moment fängts auch schon zu tropfen an, ich bedanke mich schnell und flüchte in einen der Geräteschuppen. 2 Minuten später kommt der Farmer nach, da es richtig anfängt zu gießen. Und so warten wir gemeinsam auf das Ende des Regens. Bob, so heißt er, erzählt mir, dass seine beiden Töchter Lehrerinnen sind und sie heute Abend in die Quad Cities fahren, um den Geburtstag der Älteren zu feiern. Und die Gewitter hier seien sehr heftig, es ist gut, dass ich nicht weitergefahren bin. Wie zur Bestätigung schlägt darauf in einer Sekunde Entfernung (300 m) der Blitz in ein Maisfeld ein.

Nach einer halben Stunde bin ich wieder unterwegs und die Luft ist frisch und sauber. Einige dunkle Wolken hängen aber noch immer rum und auf meinem weiteren Weg zum Mississippi stelle ich mich noch einmal bei einer Tankstelle unter. Durch das bessere Licht am späten Vormittag lässt sich das Wetter aber besser schätzen, die nächste halbe Stunde sieht man immer voraus.

Und zu Mittag reisst's dann auf und die Sonne kommt raus! Genau pünktlich für den längsten Fluss Nordamerikas.


Und der bringt Abwechslung in die sonst eintönige Strecke. Und 25 km Radweg!


Auf diesem Bild sieht man bereits die Brücke, auf der ich den Mississippi überquere und damit im nächsten Bundesstaat lande, nämlich Iowa. Und dort geht die Straße auch recht angenehm weiter, nix Maisfelder, sondern eher Urwald.

Als ich 35 km vor dem Ziel an einer Tankstelle meine Vorräte wieder auffülle, fragt mich einer der Autofahrer:
"Where' you headin'?"
"San Francisco, but not today"
"Sprechen Sie deutsch?"
Gotcha! Hab ich wirklich so einen Akzent?
Der freundliche Amerikaner stellt sich als Kurt Boche vor, aus Schweinfurt, aber 1959 ausgewandert, genauso wie seine 15 Geschwister. Und ist jetzt waschechter Amerikaner. Als ich ihm von meiner Tour erzähle, will er mir spontan etwas schenken ("da ich ja schließlich einiges an Ausgaben haben werde", meint er) und drückt mir gut 20$ in die Hand! Man stelle sich so etwas zuhause vor. Kurt erzählt mir auch noch von seinen ersten Erfahrungen mit Amerikanern nach dem Krieg (er ist 1940 geboren), und dass er sie immer als sehr freundlich empfunden hat, was ich bis jetzt nur bestätigen kann. Kurt verdient jetzt sein Geld als musikalischer Alleinunterhalter. Leider habe ich keine Internetseite von ihm gefunden und email auch nicht, aber falls jemand in die Gegend von Muscatine, Iowa kommen sollte, das ist seine Visitenkarte:


Und jetzt bin ich auch in Muscatine angekommen, in diesem Ort hat auch Mark Twain zeitweise gelebt, und habe zu Abend ein all-you-can-eat Buffet von einem Chinesen gefunden. Die haben an mir nicht viel Geld verdient.

Und ich bin noch immer ganz baff von den Menschen hier.