Montag, 15. August 2011

Tag 9: Über Hunde und Amish People

Hab ich schon erwähnt, dass Michigan wunderschön ist?

Strecke heute: 157,32 km
Höhenmeter: 603 m
Tagesschnitt: 20,86 km/h
Durchschn. Puls: 125
Wetter: heiter, leichter Seitenwind, 15-30°C
Zeit netto / brutto: 7 h 33 min / 8 h 55 min


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Beim Frühstück um 6:40 bemerkte ich, wie gerade erst die Sonne aufging. In New York City war das noch um 6:00 gewesen. Das liegt nicht an den 9 Tagen, die vergangen sind, sondern an der westlicheren Lage – und morgen werde ich schon meine erste Zeitzonengrenze überschreiten, dann kann ich länger schlafen J

Die Gewitter hatten die Luft auch richtig sauber gewaschen, und bei frischen 15°C gings dann los.


Bei Jackson vorbei hab ich mir dann wieder den Radweg gesucht, der genauso schön war wie der gestern. Diesmal hab ich auch ein Reh vor die Kamera bekommen, aber leider zu weit weg, um es hier im blog zu zeigen. Muss ich zuhause nachbearbeiten.

Auf dem nachfolgenden Highway 60 plötzlich ein Schreck: „Highway closed starting Homer (ist eine kleine Stadt hier (nein, das stand nicht auf dem Schild)). Detour I 94“. I 94 ist aber eine Interstate, da darf (und will) ich als Radfahrer gar nicht rauf. Befrage mein Navi, das sagt mir, dass ich zwar ausweichen kann, aber nur auf verwinkelten Kleinstraßen. Besser als nichts. Also beschließe ich weiterzufahren und zu schauen was passiert.
Das ist dann nicht viel. Die angebliche Straßensperre entpuppt sich als Straßenmeisterei, die die Bäume am Straßenrand stutzt und maximal den Seitenstreifen blockiert. Für mich hatte die ganze Sache den Vorteil, dass fast der komplette Verkehr abgeleitet wurde, und ich alleine auf dem Highway fahren konnte J


Von dem ich aber bald runterfuhr, denn ich hatte mir eine alternative Strecke programmiert, und trotz des leeren Highways war die noch ein Stück schöner:


Und dann kamen die ersten Hunde. Über die hatte ich schon Einiges in anderen Radfahrerblogs gelesen, und nicht allzu Gutes. Die Hunde hier und in den Great Planes scheinen die Begegnungen mit Reiseradlern zu lieben und als willkommene Trainingseinheit für die Jagd anzusehen. Ich hätte zwar noch nie gehört, dass etwas Ernsthaftes passiert sein, aber der eine oder andere Radler hat schon seine Reise entnervt abgebrochen, weil er wiederholte Male von einem Rudel Hunde verfolgt worden war.

Und jetzt hatte ich den ersten vor mir, der wartete 100 m vor mir am Straßenrand und schaute mich skeptisch an. Geistesgegenwärtig bereitete ich mich vor, d.h. ich schaltete die Kamera ein, schließlich will man diesen Augenblick ja dokumentieren. Der Hund wartete dann bis zu einer Entfernung von 20 m und…

…flüchtete. Wahrscheinlich kamerascheu.


Aber der nächsten beiden Kälber folgten gleich darauf, und beide verfolgten mich etwa 200 m. Gleichzeitig schienen sie mit dem Resonanzraum einer gotischen Kathedrale zu bellen. Für beides reichte wohl die Energie nicht, und schließlich ging ihnen die Luft aus. Tomcat, wie immer hinten auf dem Gepäcksträger, zeigte ihnen noch die Zunge raus.

Das mit den Hunden ist seltsam. Zuerst Kilometerweit keine, und dann plötzlich alle auf einmal. Muss so eine Art Wettrüsten zwischen Nachbarn sein.

Ich mach mir noch so meine Gedanken zu den Hunden, da seh‘ ich neben einem Bauernhof eine Familie auf einer Picknickdecke sitzen, die wie aus der Serie „Unsere kleine Farm“ entsprungen zu sein scheint. Sollten das etwa…
…und noch bevor ich zu Ende gedacht hatte, kommt mir auch schon eine Kutsche entgegen.


Ein Rennradfahrer, mit dem ich mich kurz darauf unterhalte, bestätigt mir: hier gibt es viele Amish People. Gegenüber, das sei ein Bekannter von ihm, auch Amish, und er repariert gerade sein Motorboot. Auf meinen fragenden Blick ergänzt er: richtig gehört, sie haben zwar keine Autos, aber Motorboote dürfen sie haben. Und die werden dann von Pferden bis zum Wasser gezogen.
Seltsam.

Und zum Abschluss noch ein Bild, für das sich Rosinante und Tomcat in Pose geschmissen haben, und die Gegend hier schön zusammenfasst:


PS: Ich habe heute schon das Hotel in Chicago reserviert (für übermorgen)!

3 Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    Hast du versucht, mit den Amish zu sprechen? Ich hab die Erfahrung gemacht, dass wir zwar ihr altes Deutsch verstehen können, sie aber unser neues nicht. Sie haben also damals mit mir Deutsch gesprochen, aber ich musste auf Englisch antworten. War ziemlich lustig.
    Unsere Reisebewegungen sind nicht so aufregend wie deine - wir machen uns auf den Weg nach Wien per Zug. Ist mit Dominik aber wahrscheinlich auch anstrengend ;-) Daher werde ich erst am Freitag deine neuesten Nachrichten (nach-)lesen können.
    In der Zwischenzeit wünschen wir dir viel Glück und auch weiterhin gutes Sitzfleisch!
    Liebe Grüße,
    Evi & Dominik

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  2. Bernhard du bist ein Wahnsinn, wir verfolgen deinen Blog täglich, echt super! mich hast du so motiviert, dass ich nach zwei Jahren mein Rennrad aus dem Keller geholt habe und eine Runde um Graz gefahren bin… Danke!!! Grüße aus Graz!!! Dragan

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  3. "Tomcat, wie immer hinten auf dem Gepäcksträger, zeigte ihnen noch die Zunge raus."
    *Grins* Super :-D

    Das mit den Amish people ist schon krass...v.a. dass die komplett ohne Technik leben - aber dafür Motorboote! Ich frag mich wirklich warum gerade diese Ausnahme?! Aber die Kutsche muss ich zugeben ist schon cool! :-)

    Wünsche Dir eine gute Fahrt nach Chicago! :-)

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