Soll ich mich freuen oder grün und blau ärgern?
Strecke heute: 149,44 km
Höhenmeter: 490 m
Tagesschnitt: 21,58 km/h
Durchschn. Puls: 126
Wetter: heiss, mittlerer Seiten-/Gegenwind, 19-36°C
Zeit netto / brutto: 6 h 55 min / 8 h 5 min
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Im Moment ärgere ich mich eher. Am Montag wird sich dann die Situation klären.
Der Tag hat ja recht gut angefangen. Leichter Gegenwind, angenehme Temperaturen, gut zu fahren. Unterwegs sind mir viele Ideen gekommen, was ich denn so alles in den Blog schreiben könnte, etwa, dass ich von der Hauptroute der Reiseradler abgebogen bin, weil die meisten entlang des North Platte Richtung Yellowstone fahren. Und ich entlang des South Platte Richtung Rocky Mountains National Park, was eine eher ungewöhnliche Streckenführung ist. Auch die Siedlertreks haben vor 150 Jahren die Nordroute gewählt. Nur ein Trek nicht: der Whiskeytrek aus dem Film "40 Wagen Westwärts", der fuhr genau die Strecke, auf der ich heute auch unterwegs war.
Positives Highlight war auf jeden Fall die Grenze zu Colorado, die ich heute überschritten habe. Und wie es der Zufall so will, ziemlich genau auf meinem 3000. Kilometer!
Kurz darauf reite ich in Julesberg ein, dem Start des Wiskeytreks. Ein paar hübsche Straßenzüge, mehr nicht, aber die will ich auf der Videokamera festhalten, die ich auf meiner Lenkstange montiert habe. Versuche einzuschalten. Nichts rührt sich. 2. Versuch. Mir fällt auf, dass der Knopf keinen Druckpunkt mehr hat. Ich öffne hinten die Gummiabdeckung und sehe, dass der Schalter fehlt!? Was auch immer los ist, vor Ort will ich die Sache nicht klären, sonst geht vielleicht noch ein Teil verloren. Missmutig verzichte ich auf die Kamera und fahre weiter.
Da die Strecke recht unspannend ist (90 km geradeaus) und das Auspacken des großen Fotoapparats umständlich, habe ich auf der weiteren Fahrt nur mehr wenige Fotos geschossen. Nämlich von Präriehunden, die es hier haufenweise gibt. Wenn man sich mit dem Rad nähert, sausen sie alle davon in ihre Erdlöcher, und einige wenige bleiben stehen und halten Wache:
Dabei pfeifen oder quietschen sie sich gegenseitig zu, bis ich wieder abfahre. Zum Fotografieren perfekt, zum Filmen weniger, da sie wie versteinert dastehen und versuchen, ihre Farbe der Umgebung anzupassen. Was ziemlich gut gelingt.
Im Motel angekommen, schaue ich mir die Videokamera genauer an. Dabei stellt sich heraus, dass der Ein-/Ausschaltknopf von der Platine heruntergebrochen ist. Für mich irreparabel, ein Fall für einschicken und nach einem Monat wiederbekommen. Damit kann ich diese Kamera für den Rest der Reise vergessen.
Und die Kamera ist nicht irgendeine x-beliebige, sondern meine Helmkamera. Ich habe sie gezielt ausgesucht (und hab sie dann von meinem Schatz geschenkt bekommen), da sie eine der ganz wenigen Kameras auf dem Markt ist, die sich auf eine Lenkstange montieren lässt und somit die Fahrt "live" mitfilmt. Andere Lösungen mit anderen Kameras sind viel zu wackelig, um das zustande zu bringen. Und weltweit gibt es gerade 3 Hersteller, die Kameras dieser Art in vernünftiger Qualität produzieren. Ein echtes Spezialprodukt also. Dazu kommt noch Zusatzequipment wie z.B. die Lenkradhalterung, die nur mit dieser einen Kamera kompatibel ist.
Ich wollte nämlich nach der Reise einen Film zusammenschneiden, um meine Erinnerungen besser aufzubewahren. Schnittprogramm hab ich schon, war auch nicht billig. Und auch beim Kauf meines letzten Computers habe ich Wert darauf gelegt, dass er kräftig genug für Videoschnitt ist.
Und da meine Radreise für mich ziemlich einzigartig ist, ich alles ziemlich genau geplant und ausgetüftelt hatte und die Reisedokumentation an einem gebrochenen Schalter scheitern könnte, wurmt es mich ganz gewaltig.
Ich könnte aber Glück haben: mein Schatz hat alle Contour (das ist die Firma) Retailer in der Gegend herausgesucht und einer davon liegt genau an der Strecke, an der ich am Montag vorbeifahre. Wobei es nicht heisst, dass das Geschäft die Kamera lagernd hat. Wenn nicht, dann hab ich Pech gehabt und die nächste Chance bietet sich erst in Las Vegas. Damit gehen 2 Wochen schönste Landschaft großteils verloren.
Und der zweite Rückschlag von heute: ab km 100 begann mein linker Oberschenkel zu schmerzen. Nicht Gelenk, sondern Muskel, wie von einem sehr schweren Muskelkater. Relativ plötzlich, ich habe keine hastige Bewegung oder sonstwas gemacht. Auf jeden Fall tut's weh, und beim Gehen hatsch ich ein bisschen. Ich tippe auf eine Zerrung, mein Schatz auf einen eingeklemmten Nerv. Muskelfaserriss ist es glaub ich keiner, denn den müsste man an einem blauen Fleck erkennen. Wie das weitergehen soll weiss ich noch nicht, laut Plan ist in 3 Tagen ein Pass mit einer Gipfelhöhe von 3707 m dran. Keine Ahnung, ob ich das so schaffen kann.
Ufff. Und ich dachte der retardierende Moment kommt erst im 4. Akt.
Guten Morgen!
AntwortenLöschenIch hoffe, du schläfst heute gut und dein Muskel kann sich erholen. Für die Kamera kann ich dir nur alles Gute wünschen und die sprichwörtliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Amerikaner. Wir halten dir alle verfügbaren Daumen!
Liebe Grüße aus dem zZ ziemlich kalten (8°C) Zell,
Evi
Guten Morgen!
AntwortenLöschenIch hoffe es geht Dir besser und dass die Schmerzen verheilt sind...
Bitte fahr nicht soviel wenn die Schmerzen wirklich unerträglich sind, sonst musst Du länger aussetzen, und das wäre nicht so dolle...
Bezüglich Helmkamera werde ich Dir die Daumen drücken - falls ich irgendwas für Dich tun kann, sag mir Bescheid.
Klar, es ist sehr ärgerlich, aber es geht DIR gut! Du bist gesund und munter und das ist die Hauptsache! Kameras kann man ersetzen!
Wünsche Dir viel Erfolg bei der heutigen Etappe, mein Schatz! Und gute Besserung!
Drück Dich!
Hallo Bernhard,
AntwortenLöschenzunächst einmal gute Besserung! Wie geht's dir denn heute?
Das mit der Kamera ist ärgerlich. Vielleicht haben die Leute von Contour das Modell lagernd, oder deine Kamera lässt sich provisorisch reparieren (zwei Drähte und Schalter/Taster). Wie gesagt, die Amerikaner sind sehr hilfsbereit.
Liebe Grüße, auch von Angelika! Lass den Kopf nicht hängen, es wird schon wieder! Viel Glück!
Christoph