Strecke heute: 117,17 km
Höhenmeter: 950 m
Tagesschnitt: 19,85 km/h
Durchschn. Puls: 131
Wetter: sonnig und trocken/heiss, windstill, 24-38°C
Zeit netto / brutto: 5 h 54 min / 7 h 0 min
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Vor dieser Etappe stand eine Entscheidung für die Routenwahl: denn vor mir liegt der hohe Gebirgszug der Sierra Nevada, über den ich fahren muss, wenn ich nach Westen will. Das Gebirge ist nur dünn erschlossen und hat einige 4000er, sodass ich großräumig planen muss. Im Prinzip stehen zwei Passstraßen zur Auswahl: die Straße über den Yosemite Nationalpark, 3 Tagesetappen im Norden, oder die Variante über den Lake Isabella, eine Tagesetappe Richtung Süden. Die Nordvariante ist in Summe einen Tag kürzer und wäre eine Notlösung gewesen, falls ich mit der Zeit im Rückstand wäre. Bin ich nicht. Deshalb bin ich heute Richtung Süden abgebogen, werde damit früher am Pazifik eintreffen und kann dort den Highway 1 nach San Francisco fahren, eine der schönsten Straßen, die ich kenne.
Vorher muss ich aber noch aus der Wüste raus. Und da ging der Weg heute vom Panamint Valley über einen kleinen Pass in das Searles Valley, und über einen noch kleineren in das Owens Valley, in dem ich heute gelandet bin. Um die Proportionen richtig zu setzen: Kleiner Pass heisst eineinhalb Stunden Anstieg.
Diese trockenen Täler scheinen unspektakulär zu sein, für mich wirkt deren Leere richtig befreiend. Das Panamint Valley ist Entspannung pur. Das Tal ist praktisch der kleine Bruder des Death Valley, liegt 400 m höher und ist meistens ein paar Grad kühler. Da es nicht so extrem ist wie das Nachbartal, fährt fast jeder daran vorbei. Perfekt für mich - denn ausser mir, ein paar Krähen, dort und da einem Streifenhörnchen und pro Stunde einem Auto war niemand hier unterwegs.
Gleichzeitig wird das auch die letzte Strecke dieser Reise gewesen sein, auf der ich so alleine unterwegs bin. Und auf den heutigen Tag habe ich mich besonders gefreut - ich kenne die Strecke schon und der erste Pass ist atemberaubend. Man steigt langsam den Talrand hinauf und hat dabei ständig den Talboden im Blick, dabei wird die Sichtweite immer größer, bis man schließlich vor einem Panorama steht, das man auf Fotos kaum wiedergeben kann:
Da ich mich gerade gefragt habe, wie diese Täler entstanden sind habe ich nachgeschlagen: sowohl Death- als auch Panamint und Owens Valley sind Grabenbrüche, also beim Ausdünnen und Aufbrechen der amerikanischen Kontinentalplatte entstanden. Da waren weder Gletscher noch Flüsse im Spiel, im Prinzip befinde ich mich auf verhindertem Meeresboden. Dazu passt auch, dass das Gebiet hier abflusslos ist, alles Wasser, dass es hier regnet, versickert wieder oder füllt kurzfristig einen ausgetrockneten Salzsee, fließt aber nie in ein Meer. Insgesamt komme ich jetzt in ein Gebiet, dass tektonisch sehr aktiv ist: bekannterweise gibt es in Kalifornien oft Erdbeben. Und in drei Tagen werde ich eine Kontinentalplatten - Grenze überfahren. Ob ich was davon merken werde?
Nach dem Pass komm ich den kleinen Ort Trona, für den das Wort "trostlos" erfunden worden ist und das gut in einen Troma-Film passen würde. Nach zwei Schrotthalden kommen ein paar Häuser und ein Fabrikskomplex. Nachdem die örtliche Chemiefabrik zugemacht hat ist die Stadt auf dem absteigenden Ast. Thema für den Film gäbe es auch schon, denn in der Nähe von Trona liegt die Barker Ranch, das letzte Versteck von Charles Manson.
Da fahre ich lieber weiter und wundere mich über den eingegrabenen Stegosaurus. Oder sind das die Splitter des Grabenbruches?
Morgen steht, das erste mal seit längerem, wieder eine richtig lange Etappe an. Letzte Woche hatte ich ja immer eine Ausrede, um nicht zu weit fahren zu müssen: die Temperaturen. Die werden zwar die nächsten Tage auch auf 35°C klettern, aber die schlimmste Hitze ist vorbei.
Und damit schließe ich den 4. Akt, die Wüste, ab und komme zum Fünften und letzten:
DAS FINALE.
Und dieser Abschnitt startet gleich mit der Überquerung der Sierra Nevada! Damit komme ich dem Pazifik ein großes Stück näher...


Hallo Bernhard,
AntwortenLöschenich wusste nicht, dass eine Wüste so beeindruckend sein kann.
Auf zum Pazifik oder, wie die Marx Brothers sagen würden: go west!
Gute Reise!
Liebe Grüße,
Christoph
Spannung pur! Bitter, Berni, lass dir Zeit mit dem Ende deiner Tour! Ich geniesse es, in der Früh nach dem Wachwerden deinen Blog zu lesen ;-)
AntwortenLöschenIch wünsch dir alles Gute für den letzten Abschnitt deiner Fahrt und viel Spass. Hoffe, deiner Backe (die obere) geht es wieder gut und die Antibiotika haben ihren Dienst getan.
Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz (vielleicht schaffst du es mal mit dem Radl hierher, wenn du mal die Europadurchquerung machst) :-)
lg Sandi
Gratulation! Deathvalley ohne "Todesfall" überstanden! Naja, Kamera tot, das ist schade! Ich hoffe für Dich, dass es ohne Pannen weiter geht. Ich "wärme" mich an Deinen Bildern, bin gestern mit dem Zug durch eine Winterlandschaft gefahren. Also tanke noch anständig Sonne vor Deiner Rückreise!
AntwortenLöschenLiebe Grüße und viel Glück für das "Finale"