Liebe Leser, da Ihr in der Zwischenzeit ja schon wisst, dass ich gut angekommen bin, scheint in diesem Post die Spannung abzugehen. Dem ist nicht so! Denn genau wie in einer schlechten Fernsehserie geht es auch mir: immer wenn ein Problem gelöst ist, tut sich ein Neues auf. Und beim Aktuellen kann ich nicht viel beitragen, da muss ich einfach Glück haben, sonst bleib ich hier hängen.
Höhenmeter: 693 m
Tagesschnitt: 20,90 km/h
Durchschn. Puls:133
Wetter: mild, gewittrig, mittlerer Seiten- bis Gegenwind, 18-26°C
Zeit netto / brutto: 5 h 27 min / 6 h 25 min
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Zurück zu gestern: Die Gangschaltung von Rosinante war ja ziemlich eingeschränkt, wie ich im Laufe des Tages noch feststellen sollte, war die Mindestgeschwindigkeit von 12 km/h zu optimistisch, eher waren's 14. Und einige 3%iger, ein kurzer 4%iger Anstieg waren dabei. Stehend treten mache ich seit meiner Zerrung aus Prinzip nicht mehr.
Ich habe den ganzen Tag nicht geschoben! Wie Techniker wissen kann man eine bestimmte Leistung nicht nur durch hohe Drehzahlen (Automotor) sondern auch durch hohe Drehmomente (Bernhard) reinholen. Normalerweise mache ich das nicht, weils anstrengend für Muskel und Kette ist, aber diesmal ging es nicht anders.
Die Strecke habe ich auch umgeplant. Ursprünglich hatte ich vor, parallel zum Ufer des Lake Mead zu fahren oder als 2. Variante am Valley of Fire vorbei. Beide Strecken haben einige steile Steigungen drin, deshalb bin ich notgedrungen auf den Interstate zurück.
Und nun kommt das neue Problem: Am Morgen des gestrigen Tages bemerkte ich, dass ich Zahnweh habe. Und das habe ich noch immer. Ich bin mir nicht ganz sicher was es ist. Vielleicht hat sich nur die Wange entzündet (hatte ich vor 5 Jahren), vielleicht ist es eine Kiefergelenksentzündung (hatte ich vor 10 Jahren). Beides kann man aussitzen. Wenns aber eine Wurzel ist, dann kann ich den Rest meiner Reise vergessen, dann ist Zahnarzt und eine Woche Ruhepause angesagt. Und dann ist der Urlaub vorbei, da geht sich nichts mehr aus. Ich weiss nicht, was ich befürchten soll. Wenn es bis Morgen früh schlechter wird, muss ich zum Zahnarzt. In der Zwischenzeit: so oft spülen wie geht. Schnief!
Zurück zu gestern: das Wetter war überhaupt nicht wüstenhaft. Stattdessen geht gerade eine Kaltfront über das Gebiet, das der Trailridge Road, über die ich vor Kurzem noch gemütlich gefahren bin, Schneeschauer beschert. Auf jeder Seite lauerten Gewitter, auch in der Früh musste ich auf das Ende des Regens warten. Und so war das spannendste des Tages die Wettersituation.
Die Front war extrem breit, die ausbrechenden Gewitter aber recht kleinräumig, sodass ich während der Fahrt immer gut im Bild war, ob es gefährlich ist oder nicht. Eines der größeren Zentren schien genau über dem Valley of Fire zu liegen, bei dem ich mich erst in der Früh entschlossen hatte, nicht duchzufahren.
Trotzdem war die erste Hälfte des Tages psychisch sehr schwierig. Ich hatte starken Gegenwind und konnte nicht zurückschalten, musste also immer mit hoher Kraft fahren. Nach 50 km war ich ziemlich fertig und das Gefühl, dass ich Zahnweh habe, war zu einer Gewissheit geworden. So was kann man sich ja auch einbilden. Und die ständigen Gewitter um mich herum machten die Sache nicht besser.
Danach ließ der Wind etwas nach, und schließlich kam ein erlösender Moment:
Und schon wieder habe ich in der Situation nicht registriert, dass ziemlich genau dort eine Runde Zahl vor den Kilometern steht: 5000 km!
Las Vegas rein bin ich dann quasi über die Hintertür, kleine Seitenstraßen abseits des Touristenrummels, und so bin ich gut in mein Motel gekommen. Die Rezeptionstin war komplett überrascht, dass ich trocken war, denn in Las Vegas hatte es den ganzen Tag geregnet - das gibts auch nicht oft.
Da das Internet nicht funktioniert hat, hat mir mein Schatz die Adresse eine Fahrradhändlers rausgesucht. Und die Gelegenheit musste ich nutzen: ich bin mit dem Rad über den Strip gefahren!
Zwei Stunden später war mein Rad dann auch wieder repariert und ich um eine Ecke zufriedener.
Jetzt muss sich nur die Situation um den Zahn klären. Ich will ja nichts schwarzmalen, aber ich glaube, da habe ich diesmal kein Glück :-(

Hallo Bernhard,
AntwortenLöschendas sind jetzt wirklich schlechte Nachrichten! Zahnweh hat dir gerade noch gefehlt. Der einzige Vorteil deiner Situation: du bist in Las Vegas und somit in der Zivilisation.
Vor einem halben Jahr habe ich mich auch einer Wurzelbehandlung unterzogen. Das waren zwei Sitzungen im Abstand von fünf Wochen. Und nun die gute Nachricht: die Schmerzen waren nach der ersten Behandlung komplett verschwunden, obwohl das genau genommen nur die Vorbereitung für die eigentlichen Behandlung fünf Wochen später war. Es gibt also Hoffnung!
Vielleicht hast du dir auch "nur" den Kiefer verkühlt. Dann leistet dir dein John-Wayne-Halstuch gute Dienste, wenn du es dir in Sandsturmmanier umbindest. Du darfst halt nicht den Eindruck erwecken, gleich ein Casino überfallen zu wollen.
Ich nehme an, du wirst mindestens den heutigen Tag in Las Vegas verbringen. Zum Glück hast du einen Zeitpolster. Ohne die Dienstzeiten amerikanischen Zahnärzte zu kennen: solltest du dich entschließen, einen aufzusuchen, mach das möglichst vor dem Wochenende.
Wenigstens ist dein Fahrrad wieder repariert.
Ich wünsch dir gute Besserung und VIEL Glück!
Liebe Grüße,
Christoph
Hi!
AntwortenLöschenGratuation zu den 5000 Kilometern! Super!
Ich hoffe dein Zahnproblem ist nicht so schlimm wie befürchtet .... Gute Besserung!
LG Conny