Donnerstag, 18. August 2011

Sweet home Chicago

Heute hab ich mal die Beine hängen lassen (literally, sonst müsste ich ja rumrollen, um mich fortzubewegen) und mir einen Tag lang Chicago angesehen. Und gleich in einem der ersten Schaufenster ein interessantes Angebot: "Bike rental. Only 10$". Auf das verzichtete ich gerne und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Willis Tower (früher: Sears Tower), der laut Informationsmaterial im Foyer 269 Michael Jordans oder 313 Oprah Winfreys hoch ist. Die rückständigen Kontinentaleuropäer mit ihrem SI-System würden 527 m dazu sagen. Im 103. Stockwerk, auf 412 m Höhe, befindet sich eine Aussichtsplattform. Da wollte ich hin.

So sieht das Ding von unten aus:


Und gleich unten im Eingangsbereich wird man vor einem Greenscreen fotografiert. Das Ergebnis ist dann auch extrem realistisch: Nachthimmel, obwohls 9 in der Früh war, und der Fluchtpunkt liegt unterhalb des Horizonts, obwohl ich frontal von vorne fotografiert worden bin. Zum Download dürfte man 30$ zahlen, ich habe der Technik in Schnippchen geschlagen und einen Screenshot gemacht:


Dann gehts mit dem Lift über 400 m rauf, und als geübter Schifahrer kann man da gleich 2 oder 3 Mal Druckausgleich in den Ohren machen. Und oben ist die Aussicht überwältigend. Ich war ja schon auf dem Eiffelturm und dem Empire State Building, aber der Willis Tower schlägt beide. Ex aequo landet vielleicht noch der Tour Montparnasse, da er der einzige Punkt in Paris ist, von dem man ihn nicht sehen muss.


Als Besonderheit hat der Willis Tower seit seiner Umbenennung vor 2 Jahren kleine Plexiglasboxen ausserhalb der Fassade, in denen man sich noch mehr exponieren kann...


...was dann in etwa so aussieht:


Wieder auf sicherem Boden gehe ich zum Art Institute of Chicago, eines der besten Kunstmuseen der USA (im Moma war ich noch nicht, aber das AIC ist beeindruckender als das SFMoma), das leider erst eine halbe Stunde später öffnet als angegeben. Beim Warten spricht mich ein obdachloser Zeitungsverkäufer freundlich an und macht mich darauf aufmerksam, dass gleich gegenüber die Route 66 beginnt! Das war mir nicht bewusst. Ob ich tatsächlich Morgen von hier starten werde muss ich erst in der Streckenplanung schauen, aber ich hab jetzt zumindest ein Erinnerungsfoto, und die 2$ für seine Zeitung hat sich der Verkäufer redlich verdient. Woher er wohl wusste, dass diese Info wichtig für mich ist?


Und gegenüber sei auch das Büro der Produzenten der Teenage Mutant Hero Turtles, und die haben ihre Namen aus dem Schriftzug an der Fassade des Museums: Michelangelo, Donatello, Raffael und Leonardo. Ich komm ins Schwafeln. Zum Museum: gleich Richtung moderne Kunst und das erste, was ich sehe ist mein Liebling Rothko. Schon gewonnen. Dann kommen Van Gogh, Monet, Rauschenberg, Miro, Dali und der wie immer komplett durchgeknallte Francis Bacon:


Auch der "Walking Man" von Giacometti ist da. Den hatte ich doch schon in Hummlebeck in Dänemark gesehen! Offenbar gibts zwei davon. Recht witzig fand ich einen Stapel Papier von Judd. Jeder Museumsbesucher darf sich davon ein Blatt, und damit einen Teil des Kunstwerkes, mitnehmen. Hab ich auch gemacht. Das Werk zerstört sich also praktisch von selbst. Find ich auf jeden Fall unterhaltsamer als den überschätzten Picasso, den mag ich nicht. Und für alle Freunde des Amerikanischen Realismus noch ein Schlüsselwerk von Hopper, die Nachteulen. Ich finds immer genial, vor diesen Orginalen zu stehen, die ich sonst nur aus Büchern kenne.

Danach war ich ziemlich geschafft, und meine Energie hat nur mehr für einen ausgedehnteren Spaziergang durch die Innenstadt gereicht. Und ich muss sagen, die ist beeindruckender als Manhattan.


Und nach insgesamt 7 Stunden sightseeing war meine Energie dann am Ende. Hab noch Verpflegung für Morgen eingekauft und war noch gut Essen. Also kommt eine weitere Empfehlung: Das Eleven City Diner, das ich über den Tripadvisor gefunden habe. Falls jemand vorbeischauen will, unbedingt vorrab anmelden, alle Tische waren schon reserviert, aber alleine hat man auch so Platz. Hab dann gefrühstückt. Richtig, Frühstück gibt's dort den ganzen Tag, und was für eins: Steak mit Bratkartoffeln und Eierspeis. Damit ich nicht  vom Fleisch falle. Und hinterher noch ein riesiges Stück Schokokuchen. Der Kellner hat schön geschaut, was in mir alles Platz hat.

Für die nächsten beiden Tage müsst ihr mir wieder fürs Wetter Glück wünschen - ich starte nämlich in die Great Planes, und der Wetterbericht sagt Gewitter voraus. Das könnte unlustig werden. Daumen drücken!

3 Kommentare:

  1. Hallo Bernhard,

    danke für den ausführlichen Bericht! Wenn mich die Fotos nicht täuschen, wird Chicago im gleichen Maß unterschätzt (ich war noch nie dort), wie New York überschätzt wird (dort war ich schon). Ich bin wirklich gespannt auf all die Fotos, die du gemacht hast!

    Ich halte dir die Daumen für schönes Wetter und wünsche dir weiterhin gute Fahrt!

    Liebe Grüße
    Christoph

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  2. Lieber Bernie,
    ich melde mich zurück aus Wien und lese jetzt deine letzten Einträge nach. Über dein sms haben wir uns sehr gefreut, danke! Von Chicago kenne ich nur den riesengroßen Flughafen vom Umsteigen Richtung Minneapolis (incl Drogenkontrolle mit Hund) und die Ansicht aus dem Flieger, die war sehr beeindruckend. Du hast jetzt den ersten Teil deiner Reise gut hinter dich gebracht, und jetzt wartet wahrscheinlich der (psychisch) schwierigste auf dich. Ich wünsche dir viel Glück und gutes Wetter!!!
    Wir haben jetzt endlich so etwas wie ein paar Tage Sommer hier...
    Liebe Grüße und alles, alles Gute,
    Evi + Dominik

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  3. Was für eine tolle Stadt! Allein die Skyline ist ja der Hammer! - Und deine Idee mit dem Fotografieren anstatt soviel Geld dafür auszugeben find ich klasse! :-)

    Aber die Plexiglasboxen machen mir Höhenangst... nur beim Zuschaun...hey, das sind ja deine Füße da oben auf dem Foto :-D

    Nun sind San Francisco und Chicago meine Favoriten bzgl USA :-) Und natürlich Vegas hihi.

    Gute Fahrt! :-)
    Drück Dich!

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