Donnerstag, 25. August 2011

Tag 18: Auf dem Oregon Trail

Strecke heute: 203,53 km (kein Tippfehler)
Höhenmeter: 544 m
Tagesschnitt: 23,28 km/h
Durchschn. Puls: 131
Wetter: heiss, mittlerer Wind, 2/3 von links vorne, 1/3 von links hinten, 17-32°C
Zeit netto / brutto: 8 h 44 min / 10 h 0 min




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Der dritte Kraftakt hintereinander und ich habs geschafft: ich habe meinen eigenen Zeitplan wieder eingeholt! Das bedeutet, ich habe jetzt wieder volle 5 Reservetage zur Verfügung. Da ich noch schlecht einschätzen kann, wie es mir mit dem ganzen Gepäck über die Berge gehen wird, ist mir das viel wert. Und ab jetzt gibt es auch wieder Etappen normaler Länge. Heute stand ich einfach vor der Entscheidung, ob ich die 40 km Rückstand, die ich noch hatte, am Nachmittag aufhole oder einen Teil davon auf Morgen verschiebe. Da für Morgen aber 35°C angesagt sind, habe ich mich für erstere Variante entschieden...


Der heutige Tag war gar nicht schlecht und bei weitem nicht so langweilig wie befürchtet. Denn ob man ständig identisch aussehende Hügel (Iowa) oder eine weite Ebene sieht ist auch schon egal. Etwas Abwechslung bringen hier die Güterzüge: geschätzte 2 km lang, machen einen Riesenkrawall und brauchen einige Minuten, bis sie in gemächlichem Tempo vorbeigezogen sind. Dieser hier hatte gezählte 111 Waggons...




Und noch etwas ist neu: ich befinde mich das erste (und einzige) Mal auf der "Hauptstraße" für Kontinent-Durchquerungs-Radler. Wenn man nicht extrem weit nördlich oder südlich fährt, kommt man hier fast zwangsläufig durch. Und so habe ich heute bereits 3 Gleichgesinnte getroffen, die mir entgegengekommen sind. Hier z.B. Chris aus Kentucky, mit dem ich mich eine Weile unterhalten habe.




Chris ist 65 und schaut mindestens ein ganzes Jahr jünger aus. Es ist bereits seine zweite USA-Durchquerung, diesmal von Washington bis Florida. Trotz seiner Stollenreifen hat er alle 500 Meilen einen Platten und ist ganz verwundert als ich ihm erzähle ich hätte noch keinen Einzigen gehabt.


Und so geht der Tag eigentlich recht flott dahin; die Züge, kleine schon fast westernartige Städtchen und ein paar nette Unterhaltungen sorgen für Abwechslung. Die Leute hier sind recht freundlich, bestimmt mehr als zehn entgegenkommende Autos haben gehupt und gewunken (eigentlich die Fahrer, nicht die Autos)...


Unhübsch anzusehen ist leider der Roadkill (aber der verfolgt mich schon seit Beginn der Reise, nur die Tierarten wechseln), und heute sehe ist das erste Mal, wie so was zustandekommt. Gottseidank wars nur eine beinahe-kill, aber immer hin sehr knapp. Kurz nach Kearney versucht eine Laufvogel-Familie die Straßenseite zu wechseln. Ich werde langsamer, der Autofahrer hinter mir zunächst nicht, muss dann eine Vollbremsung hinlegen und bleibt haarscharf vor den Vögeln stehen, die auseinanderstieben.  




Diese Route ist auch nicht nur für mich und andere Tourenradfahrer sehr bequem, sie hat auch historische Bedeutung: Mitte des 19. Jh war genau diese Strecke Teil von verschiedenen Siedlertrails, nämlich dem Oregon- dem Califonia- und dem Mormontrail, die sind alle hier durch. Auch die Strecke des Pony Express und die erste durchgehende Zugverbindung von Chicago bis zur Westküste verliefen hier. 


Und ich werde dem Platte River noch 3 Tage folgen und dann meinen Rockies-Pass ansteuern. Da freu ich mich jetzt schon drauf :-) 


PS: Ich habe heute schon deutlich an Höhe gewonnen und bin jetzt auf 780 m Seehöhe, also etwa so hoch wie Piesendorf :-)

5 Kommentare:

  1. Hallo Bernhard,

    203,53 km! Es war mir neu, dass man das mit einem Tourenrad überhaupt schaffen kann. Respekt!

    Ab jetzt geht es hoffentlich etwas gemütlicher weiter. Gute Reise!

    Liebe Grüße,
    Christoph

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  2. Gewaltige Leistung Bernhard,
    zu dem beinahe-kill… da hätte es halt Laufvögel statt Trippelburger zum Abendessen gegeben… war übrigens auch die Lieblingsspeise von John Wayne…

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  3. Dacht ichs mir - sobald Du auf deinem Rad sitzt, hast Du deine geheime Identität nun ans Licht gebracht: Flash Rider ! ;-)

    Weiterhin viel Erfolg und gute Fahrt :-) !

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  4. Wir bewundern deine Kilometerleistung (und Domi war natürlich auch von den 111 Waggons beeindruckt)!Du scheinst dich jetzt so an Rosinante gewöhnt zu haben, dass du gar nicht mehr absteigen willst ;-)
    Großartig!
    Liebe Grüße aus Zell (35°C, Südwind aus der Sahara),
    Evi & Dominik

    PS: Hast du mitgekriegt, dass in New York Menschen wegen des Hurricanes Irene evakuiert werden?

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  5. Hi Evi!

    Hab leider keine Zeit zu Fernsehen, ausser beim Frühstück im Motel, aber ich habe gehört, dass da ein Hurricane im Anmarsch ist.

    Laut Prognosen wird der ganz genau die dichtbevölkerte Küste rauffahren und laut weatherchannel gibt's für 29 Millionen Leute Hurricane-Warnung!

    Falls sie (Irene) nach New York kommen sollte, dann am Sonntag...

    ...und zu den 35°C: die hab ich heute auch gehabt ;-) Aber mit relativ trockener Luft, war gut zum aushalten.

    Liebe Grüße aus Ogallala!

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