Freitag, 26. August 2011

Tag 19: In der Prärie...

...also Grasland, Büsche, kaum Bäume. Wunderschön!


Strecke heute: 144,84 km 
Höhenmeter: 348 m
Tagesschnitt: 23,29 km/h
Durchschn. Puls: 126
Wetter: heiss, mittlerer Wind, am Vormittag Gegen- am Nachmittag Rücken-, 24-35°C
Zeit netto / brutto: 6 h 13 min / 7 h 5 min



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Bevor ich über den heutigen Tag schreibe, möchte ich den Menschen an der Ostküste Glück wünschen. Ich hatte es nur im Augenwinkel mitbekommen und Evi hat mich mit ihrem Kommentar darauf aufmerksam gemacht: der Hurricane Irene ist dabei, die Ostküste aufzurollen. Hab mich dann im weather channel schlau gemacht. Irene ist zwar bei weitem nicht so stark wie der Hurricane, der 2005 New Orleans unter Wasser gesetzt hat, zieht aber über viel dichter bevölkertes Gebiet. Kommt angeblich nur alle 20-30 Jahre vor. Daumen drücken, dass alles gut geht!

Bis in die Great Plains kommen Hurricanes sowieso nicht, und die Tornadosaison ist auch schon vorbei. Stattdessen wars ziemlich heiss, aber gut auszuhalten, da die Luft viel trockener ist als noch in Iowa (40 statt 65% Luftfeuchtigkeit bei 35°C). Leichter Fahrtwind dazu, und Radfahren ist gar nicht unangenehm.

Heute Morgen, kurz nach dem Start, kam gleich die erste Überraschung: die Mais-Monokulturen hörten plötzlich auf! Stattdessen kam leicht hügeliges Grasland, wobei sich die Hügel auf das Land beschränkten und sich netterweise nicht bis auf die Straße ausdehnten. Iowa, nimm Dir ein Beispiel daran. Wunderschöne Landschaft, und das i-Tüpfelchen: alles war übersät von einer mir unbekannten gelben Blumensorte (mein Vater kennt vermutlich den lateinischen Namen und die botanische Klassifizierung). Und damit's noch kitschiger wird: Pferde! Zuerst natürlich Rosinante, mein Alu-Ross:


Und dann die Echten:


Den ganzen Tag durfte ich heute durch diese Landschaft fahren. Mit einer Unterbrechung: North Platte, der größte Ort auf meiner Strecke. Und der hat die besten Zeiten eindeutig hinter sich. Viele Menschen sitzen einfach so auf dem Gehsteig, die Häuser sehen arg renovierungsbedürftig aus und, das erste Mal, ist fast jeder Garten mit einem hohen Maschendrahtzaun abgegrenzt. Bisher hatte ich Zäune nur ganz selten gesehen. Die Leute hier scheinen nicht viel gegenseitiges Vertrauen zu haben.

Oder es ist wegen der Hunde. Radfahrers Lieblinge. Auch in keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Hunde pro Garten gesehen, grob geschätzt etwa 0,2. Ständig bellte es von irgendwo her, ich scheine als Radfahrer eine immense Gefahr auszustrahlen. Aber heute war's wegen der Zäune fast schon witzig: ich biege in eine kleine Seitenstraße ein und sehe in einer Entfernung von etwa 200 m eine Riesen-Dogge hinter einem Maschendrahtzaun, die Besitzerin sitzt daneben auf der Treppe der Haustür. Also alles sicher für mich. Der Hund sieht mich auch und flippt sofort aus. RADFAHRER! Jagdinstinkt ist geweckt, aber er kommt nicht raus aus seinem Garten. Und so muss er sich damit begnügen, wie wahnsinnig auf dem Rasen herum zu rotieren und aus Leibeskräften zu kläffen, während ich es gaaar nicht eilig habe und gemütlich vorbeifahre. Hehe. Ein zweiter Riesen-Hund (kleine scheint's hier nicht zu geben) ist nicht eingezäunt und nimmt bereits Anlauf aus seinem Garten raus. Beim Überqueren der Seitenstraße hatte er allerdings nicht mit Verkehr gerechnet und beide, Auto und Hund, bleiben quietschend bzw. winselnd stehen. Der Hund hat daraufhin sichtbar über die Konsequenzen seines Tuns reflektiert und wird sich in Zukunft bessern.

Angekommen bin ich heute dann in Ogallala, das seinen Namen, wie ich gerade gelesen habe, dem Indianerstamm der Oglala verdankt. Vom Stamm ist nichts mehr übrig, wohl aber ein klein wenig Architektur aus der Gründerzeit des Ortes, nämlich ein Straßenzug aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der ist noch orginal, nur leicht renoviert und ziemlich authentisch.


Und ich finde, ich passe mit meinem Fahrrad wesentlich besser hierher als die anderen Touristen mit ihren Großraumgeländewagen.

PS: Habe eine weitere Zeitzonengrenze überschritten und ticke in Mountain Time!
PPS: Wieder 200 Höhenmeter gut gemacht. Bin jetzt auf 981 m Seehöhe.
PPPS: Habe bereits jetzt eine Reservierungsanfrage an das Motel im Panamint Valley für den 18. September geschickt. Das Motel ist das einzige weit und breit und schnell voll. Habe dafür 2 Puffertage eingerechnet.

2 Kommentare:

  1. Wunderschöner Blogeintrag des gestrigen Tages, und die Fotos: Wahnsinn! Das Foto von Ogallala (Western) ist ja auch total cool - sieht aus wie ein Drehort (Universal studios oder so) wenn man nicht wüsste, dass es noch Original ist! Und das Foto mit deinem Fahrrad und im Hintergrund die wunderschönen Blumen - wow! Und das Foto von den Pferden - total lieb!! Die haben ja extra in deine Richtung geschaut - die wissen wie man für die Kamera posiert ;-)

    Wünsche Dir für heute eine gute und erfolgreiche Fahrt!
    Drück Dich!

    PS: Drück Dir die Daumen, dass das Motel in Panamint Valley noch ein Zimmer frei hat für Dich!

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  2. Bernhard im Wilden Westen :-)
    Rosinante vor dem Cowboy's Rest - hab sehr gelacht darüber! Deine Fotos kriegen allmählich Poster-Qualität. Die Pferde würden an einer Wand sicher sehr schön ausschauen.
    So unspannend ist die Gegend ja gar nicht. Und wie ich sehe, bist du ziemlich flott unterwegs!
    Dominik redet davon, dass du eines Tages die Tour noch einmal machen wirst, und zwar mit ihm...
    Er hat auch eine kleine Bitte an dich: Du erinnerst dich bestimmt an die "goldene" 1$-Münze, die er im Grazer Stadtpark gefunden hat. Er hat sie in der Zwischenzeit leider wieder verloren und ist dshalb ein bisschen traurig. Könntest du eventuell eine für ihn mitbringen? Er würde sich sehr freuen.
    Wir halten dir auch weiterhin die Daumen und verfolgen deine Reise mit Spannung. Alles Gute weiterhin!
    Evi & Dominik

    PS: Heutige Überschrift auf orf.at: Sandsäcke auf der Wall Street...
    PPS: Heute ist bei uns der Herbst eingekehrt, und zwar sehr spektakulär. Gestern waren wir bei über 30°C noch im See baden, heute ist im Lauf des Vormittags ein Sturm eingezogen, richtig mit Blitz und Donner und starkem Wind, die Temperaturen sind auf unter 10°C gefallen, und als am Abend der Regen aufhörte und der Himmel ein bisschen blau wurde, schaute der Schnee herunter (bis ca. 1600m). Wir haben die Füße in den See gehalten - der war im Vergleich zur Lufttemperatur bacherlwarm!

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