Mittwoch, 31. August 2011

Tag 24: Die Königsetappe

Jetzt bin ich wohl wieder offiziell gesundgeschrieben.


Strecke heute: 105,25 km 
Höhenmeter: 1853 m
Tagesschnitt: 15,19 km/h
Durchschn. Puls: 141
Wetter: im Tal windstill, ab 3400 m Seehöhe Sturm, nach dem Pass starker Gegenwind, 9-26°C
Zeit netto / brutto: 6 h 56 min / 8 h 55 min

Seehöhe Beginn/Schluss/Minimal/Maximal: 2295 m / 2424 m / 2289 m / 3713 m




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Ich habe die Trailridge Road geschafft! Die höchste asphaltierte Passstraße der USA! Und nach der Info eines Rangers am höchsten Punkt 3713 m über dem Meer. Da hab ich aber geschnauft.

Der Morgen beginnt recht frisch, da eine dicke Wolke über Estes Park hängt. Trotzdem herrscht gerade "Hitzewelle", denn es ist immer noch 5°C wärmer als im Durchschnitt. Und in dem Moment, in dem die Sonne rauskommt, geht auch die Temperatur sofort auf 14°C rauf, was für die Steigung ideal ist. Ich habe mir trotzdem meine lange Thermo-Laufhose drübergezogen und fahr auch langärmlig. Spar ich mir immerhin das einschmieren in der Früh. Da ich am Anfang einen kleinen Umweg fahre, der dafür eine geringere Steigung aufweist (quasi zum aufwärmen) komme ich in ein kleines verlassenes Seitental, in dem außer einem Ranger-Auto niemand unterwegs ist.


Aber dann gehts los. Ziemlich gleichmäßig, im Schnitt etwa 6% Steigung, maximal 7%. Damit auch die großen Wohnwägen raufkommen. Ich finde einen guten Rythmus, mach etwa alle 100 Höhenmeter eine kurze Pause, lockere auf und massiere. Dadurch bin ich zwar nicht besonders schnell, aber mein Bein macht mir keine Probleme mehr.

Übrigens täuscht die Höhe auf den Fotos gewaltig, denn die Baumgrenze ist hier erst bei etwa 3400 m! Aber auch mit Bäumen hat man herrliche Aussichten, die Trail Ridge Road trägt völlig zurecht den Titel einer scenic route. Und jeder hier ist Tourist, und alle fotografieren sich gegenseitig. Ich knips einen Motorradfahrer, er schießt dafür ein Foto von mir. Zu dem Zeitpunkt bin ich schon ziemlich zufrieden und habe mich auf 3300 m hochgeschraubt...


Ich grinse deshalb so weil ich glaubte, das schlimmste schon überwunden zu haben. Denkste! Denn kurz darauf wurde der Wind stärker. Und eine halbe Stunde später war es extrem schwer geworden vorwärts zu kommen. Ich schätze die Geschwindigkeit vom Wind auf etwa 30 km/h, mit einzelnen stärkeren Böen dazwischen. Wenn zufälligerweise die Fahrtrichtung passte, wurde man fast hinaufgeblasen, bei Gegenwind bin ich in den Untergriff und hab mich geduckt. Seitenwind war richtig gefährlich, besonders wenn ein Auto vorbeigefahren ist. Die Kombination "starker Wind - windstill - starker Wind" versetzt einen um einen halben Meter, da kann man noch so gegenlenken.


Hier erreiche ich die erste der beiden Passhöhen (Doppelpass, der erste ist eine Spur niedriger) auf 3700 m Höhe, den rock cut.



Von dort gehts 2 km runter und dann wieder 2 km rauf. Da sich die Straße in diesem Bereich auf einem Grat befindet, wurde der Wind noch stärker. Und ich habe, ich gebs zu, eine kurze Strecke geschoben, denn 7% Steigung mit 40 km/h Gegenwind und 20 Kilo Gepäck  auf 3700 m Höhe waren dann einfach zuviel. Ich habe auf dieser Passage beobachtet, wie ein Tourist auf einem Aussichtspunkt stehen geblieben ist, aussteigen wollte und wegen dem Wind die Autotür nicht aufgebracht hat! Musste er eben drinnen bleiben.

Danach gings wieder recht flott runter, wegen dem Wind bin ich aber vorsichtig gefahren. Es ist sehr seltsam, nach einer Viertelstunde bergab an einem Schild vorbeizufahren, auf dem "2 miles above sea level" steht...

Und jetzt komme ich zu der Stelle, die ich als den Mittelpunkt meiner Fahrradtour ansehe: die kontinentale Wasserscheide. An der bin ich ein paar Kilometer nach der Passhöhe vorbeigefahren.


Das Fahrrad halte ich übrigens fest, damit es nicht umgeweht wird.
Ein letztes Highlight kommt noch: gleich nach der Wasserscheide entspringt der Colorado River. Erstmals Zugang zum Fluss hat man ein paar Kilometer talabwärts. Laut Ranger ändert der Colorado hier jedes Jahr sein Bett ein wenig und hat ein ganzes breites Tal Platz dafür. Am allerersten Parkplatz, von dem ein Fußweg abzweigt bleibe ich stehen, marschiere einen Kilometer und finde einen der wenigen Fixpunkte des Flusses an einer kleinen Holzbrücke.


Noch ziemlich unscheinbar, aber auf meiner Reise werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal vorbeikommen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: ich hatte so massiven Gegenwind, dass sogar das Bergabfahren anstrengend wurde. Und so habe ich beschlossen, bereits in Granby stehenzubleiben. War eine gute Entscheidung, denn eine halbe Stunde nach meiner Ankunft ist ein schweres Gewitter runter, so dass die Motelfenster gewackelt haben. Hagel war auch dabei.

Und morgen? Der Ort Eagle muss drin sein, das sind etwa 125 km. Muss aber wieder früh los, da sehr starker Gegenwind angesagt ist und zwei kleine Pässe dabei sind. Schließlich sind wir ja in den Bergen.

8 Kommentare:

  1. Hallo Bernhard,

    gratuliere zur Königsetappe!

    Norbert

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  2. Hallo Bernhard,

    herzliche Gratulation zum Mittelpunkt der Reise! Wie schön, dass es deinem Bein wieder gut geht!

    Deine Fotos sind großartig, und ich bin schon ganz neugierig auf die restlichen Fotos und das Video, das du drehst!

    Es war mir nicht bewusst, dass die Baumgrenze so hoch liegt. Ist das noch "Brombärsaft" in den Trinkflaschen deines Fahrrades?

    Das Foto vom Pass erinnert mich irgendwie an den Großglockner.

    Liebe Grüße,
    Christoph

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  3. Hallo Bernhard!

    Gratulationen! Das sieht aber hart aus! Die Fotos sind sehr schön. Ich wünsche dir noch viele Erfolgen. Hasta la victoria siempre!

    Liebe Grüße,

    Cecilia

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  4. Hallo Bernhard,

    auch von mir herzliche Gratulation! Unglaublich! Well done!

    Liebe Grüße,
    Isabella

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  5. Respekt Bernhard,
    eine unmenschliche Leistung! Es freut mich, dass du keine Schmerzen mehr hast.
    Weiter so!!!

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  6. wahnsinn, unglaublich! allerhöchster respekt u. applaus, applaus, applaus!!!

    liebe grüße
    sabine

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  7. Lieber Bernhard,
    wie immer haben wir gleich in der Früh geschaut, wie es dir geht. Gestern wollten wir dir noch einen Grizzly, ein paar Löwen und Tiger schicken, aber wie ich gesehen habe, ist der Kommentar nicht angekommen. Vielleicht haben sie dir trotzdem geholfen!
    Wir gratulieren herzlich und sind sehr stolz auf dich!
    Alles Gute weiterhin und viel Glück,

    Evi & Dominik

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  8. Servus Bernhard,
    ich verfolge deinen Blog erst seit kurzer Zeit (Ich war vor 3 Wochen ebenfalls in den USA, aber weiter südlicher als du)
    Hut ab vor dieser großen Leistung! Tolle Fotos von dieser schönen Natur hast du da!
    Alles Gute und Gesundheit wünscht
    Michael

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